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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Kef'ructions;tnoiu:ilien.

den Fläche eingefallen sind, werden sämmtlich aus derselben abgelenktwerden, und die Bilder von Punkten in der Axe werden ausserhalb derAxe liegen. Da der Brechungsindex der Medien für kurzwellige Strahlenein grösserer ist als für langwellige Strahlen, so werden auch die kurz-welligen Strahlen mehr abgelenkt werden, und in Folge davon wird dieseitliche Ablenkung für die Bilder eine verschiedene sein. Wenn wirnachweisen können, dass sich auch im menschlichen Auge eine ähnlicheErscheinung beobachten lasse, so geht daraus mit Sicherheit hervor, dassdas menschliche Auge nicht richtig centrirt ist, wenigstens nicht um dieGesichtslinie, wenn wir die Erscheinung im directen Sehen wahrnehmen.Um nun dies zu beobachten, klebt man ein rothes Papier zwischen zweiblaue und sehneidet aus dieser Zusammenstellung schmale Streifen, sodass sich in der Mitte ein rothes Stück und zu beiden Enden ein blauesbefindet. Nun hält man einen solchen Streifen in einiger Entfernunggegen einen möglichst dunklen Grund. Es ist klar, dass das rothe Stücketwas verbreitert erscheinen muss, wenn man ihn in eine solche Ent-fernung bringt, dass das Auge genau für die blauen Stücke eingestellt ist,und umgekehrt, wenn man den Streifen so weit entfernt hält, dass dasAuge für das rothe Stück eingestellt ist, die blauen verbreitert erscheinen.Wäre das Auge genau centrirt, dann müssten zwar die Stücke ungleichbreit sein, aber in einer Linie liegen, das heisst das breitere Stück müsstenach beiden Seiten symmetrisch über das schmälere hinübergreifen. Diesist aber nicht der Fall, sondern sie weichen, bei dem einen Auge mehr,bei dem andern weniger, seitlich aus, und zwar sind die Richtungen, indenen sie ausweichen, bei den verschiedenen Augen verschieden. Darausgeht hervor, dass das menschliche Auge nicht um die Gesichtslinie cen-trirt ist, und wenn man bedenkt, dass die Farbonzerstreuung nur einBruchtheil von der ganzen Ablenkung ist, welche die Strahlen erfahren,denn sie ist ja nur die Differenz zwischen der Ablenkung der kurzwelligenund der langwelligen Strahlen; so bemerkt man, dass dieser Mangel anCentrirung bei den meisten Augen keineswegs ein unbedeutender ist.

ßei'raetions- und Accoinniouationsanoinalieii.

Wir haben bis jetzt im Allgemeinen von solchen Augen gesprochen,welche im Zustande der Ruhe für die unendliche Ferne eingestellt sind.Diese Augen pflegt man mit dem Namen der emmetropischen oder nor-malen Augen zu bezeichnen. Normale Augen nennt man diese Augendeshalb, weil sie in der Jugend die vortheilhaftesten und brauchbarstensind, weil man mit ihnen in der unendlichen Ferne deutlich sehen kannund auch so weit für die Nähe aecommodiren, dass man feine Schriftlesen, feine Arbeiten ausführen kann u. s. w. Wenn man aber dasganze Leben überblickt, so muss man sagen, dass diese Augen keineswegsdie vortheilhaftesten sind, welche man haben kann, namentlich nichl füreinen Gelehrten, und nicht für Jemanden, der auf feine, im Kleinen aus-zuführende Arbeiten angewiesen ist. Diese Augen werden bereits immittleren Lebensalter dadurch, dass sie an Accommodationsvermögen ver-lieren, für die Nähe unbrauchbar. Man blicke auf umstehende Tafel,welche die Sehweite des emmetropischen Auges in den verschiedenenLebensaltem nach Donders darstellt. Oben stehen die Lebensjahre, links