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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Astigmatismus.

deutlichen Sehens gebracht worden ist, dennoch nicht genau' in einenPunkt vereinigt werden. Wäre dies der Fall, so müssten solche leuch-tende Punkte, dem durch die Pupille kreisförmig begrenzten Strahlenkege]entsprechend, einfach kreisscheibenförmige Zerstreuungskreise geben, wennsie diesseits und jenseits der Grenzen des deutlichen Sehens gebrachtwerden. Das ist aber nicht der Fall: sie geben eine grössere Anzahlvon sich theilweisc deckenden Bildern nebeneinander und übereinander,die man noch einzeln von einander unterscheiden kann. Diese Erschei-nung bezeichnet man mit dem Namen Polj-opia monophthalmica. Sie kanneine physiologische sein, indem sie sich auf das gesunden Augen gemein-same Mass beschränkt, und eine pathologische, wenn sie dieses über-schreitet und ungewöhnliche Gosichtserschcinungen verursacht.

Astigmatismus.

Eine Unregelmässigkeit in der Gestalt der Oberflächen, die .denAugenarzt ganz besonders interessirt, ist der sogenannte Astigmatismus.Wir haben bis jetzt die brechenden Oberflächen im Auge als Rotations-oberflächen angesehen, als Oberflächen,' die durch Umdrehung einer Curveum ihre Axe entstanden sind. Das sind sie aber im strengen Sinne desWortes nicht, und speeiell ist es die Hornhaut nicht. In der Pegelist der Krümmungshalbmesser der Hornhaut im verticalen Durchschnittetwas kleiner als der Krümmungshalbmesser der Hornhaut im horizontalenDurchschnitt. Dies bedingt den sogenannten normalen oder physiologischenAstigmatismus. Indem die vertical divergirenden Strahlen früher zur Ver-einigung kommen als die horizontal divergirenden Strahlen, gibt eskeinen einzelnen Punkt, wo das Lichtbündel, welches repräsentirt ist durchden Lichtkegel der convergirenden und durch den darauf gesetzten derdivergirenden Strahlen, am dünnsten ist; sondern es gibt eine Strecke,in der es näherungsweise gleich dünn ist, wo also die Zerstreuungskreisesehr wenig wachsen, wenn die Retina etwas nach vorn oder nach hintenzurückweicht. Dies ist, was Sturm mit dem Namen Intervalle focal be-zeichnet hat. Sturm wollte aus dem normalen Astigmatismus die ganzeAccommodation für verschiedene Sehweiten erklären oder vielmehr hinwegerklären. Er sagte: Das Auge braucht gar keine Accommodation, es istvermöge dieser Asymmetrie der Oberflächen um die Axe schon von vorne-herein so eingerichtet, dass es in verschiedenen Entfernungen deutlichsieht. Es ist hinreichend dargethan, dass zwar das Intervalle focal exi-stirt, aber ausserdem noch eine Accommodation durch Gestaltveränderungder Linse. Das Intervalle focal erklärt nur die Accommodationsbrcite, oderrichtiger der Breite des deutlichen Sehens, welche übrig bleibt, wenndie Linse aus dem Auge entfernt worden ist. Der Astigmatismus kannanomal sein durch die Richtung, insofern als die Ebene der kürzesten Ver-einigungsweite nicht nur die verticale Ebene, und die Ebene der grösstenVereinigungsweite nicht die horizontale Ebene ist. Er kann aber auch un-gewöhnlich sein durch seinen Grad, und zwar in solcher Weise, dass da-durch das Sehen wesentlich beeinträchtigt wird.

Der Astigmatismus war schon Thomas Young bekannt, der ihmselbst in bedeutendem Grade unterworfen war. Ebenso der königlicheAstronom Airy, der durch Astigmatismus wesentlich am deutlichen Sehen