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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Thomas Young's Theorie.

herrschend, und wir werden Gclbgrün sehen. Wirkt monochromatischblaues Licht auf unsere Netzhaut, so werden sowohl die grün- als dieviolettempfindenden Fasern erregt, dadurch wird ein gemischter Eindruckentstehen, welchen wir Blau nennen. Ist die Wellenlänge der Strahlenei was grösser, so wird der Eindruck zum Grün hinziehen, indem die grün-empfindenden Fasern stärker erregt werden. Wird dagegen die Wellen-länge kürzer, wird er mehr zu Indigo und Ultramarin ziehen, weil nundie violettempfindenden Fasern stärker erregt werden.

Da jede Art von Licht nach dieser Theorie alle drei Arten vonNerven erregt, so sind nach ihr auch die reinen Spcctralfarben im physio-logischen Sinne nicht absolut gesättigt, und in der That hat Hclmholtzgezeigt, dass man ihre Sättigung dadurch noch erhöhen kann, dass mandas Auge vorher gegen die Complcmcntärfarbc abstumpft.

Wir haben gesehen, dass ganz ähnliche Eindrücke, wie sie die ein-zelnen Spcctralfarben hervorbringen, auch hervorgebracht werden könnendurch gemischte Farben, dass z. B. Roth und Grün, welches wir auf demFarbenkreiscl miteinander mischen, Gelb geben, dass Grün und Violett mit-einander Blau hervorbringen können u. s. w. An der Erklärung dieserErscheinung ist man früher, che die Young'sche Theorie wieder in Auf-nahme kam, immer gescheitert. Man hat sie erklären wollen aus derWcllenthcorie nach dem Principe der Interferenz. Aber man ist hiebeiniemals zu Resultaten gelangt, die mit der Wirklichkeit übereinstimmen,und es lässt sich auch leicht zeigen, dass überhaupt nach dem Principeder Interferenz diese Erscheinungen nicht erklärt werden können. Dennerstens kommt es nicht nur darauf an, welche Farben wir miteinandermischen, sondern auch darauf, in welcher Menge wir dieselben miteinandermischen. Ich kann aus einem bestimmten Roth und einem bestimmtenGrün alle dazwischen liegenden Arten Gelb mischen, einfach dadurch, dassich einmal mehr die Intensität des Grün, und das andere Mal mehr dieIntensität des Eoth wachsen lasse: zweitens aber, und das ist ein absolutesHindcrniss für jede Erklärung aus der Undulationstheorie, ich kann dieFarben für mein Gesicht in der Weise mischen, dass die eine Farbe nurin das eine Auge und die andere Farbe nur in das andere Auge hinein-kommt. Wenn ich dem einen Auge Roth und dem andern Blau darbieteund fixire einen bestimmten Punkt, so sehe ich, wie wir später erfahrenwerden, Violett. Hiemit ist jede Art von physikalischer Erklärung solcherFarbenmischung ausgeschlossen. Die Young'sche physiologische Theoriegibt aber eine sehr einfache Erklärung. Sic sagt nämlich: Wenn gemischtesoder monochromatisch rothes Licht auf meine Augen wirkt, so erregt esalle Fasern, aber die rothempfindenden am stärksten, und wenn grünesLicht, gemischtes oder monochromatisches, auf meine Augen einwirkt, soerregt es alle Fasern, aber die grünempfindenden am stärksten. Beidegleichzeitig geben also einen gemischten Eindruck, der Gelb ist, weil eranalog ist demjenigen Eindrucke, den das gelbe Licht hervorbrachte, dasauch alle Fasern erregte, aber die roth- und grünempfindenden Fasern stärkerals die violettempfindenden. Mit dieser Erklärung ergibt sich auch sehrleicht, warum man alle Nuancen zwischen Grün und Roth hervorbringenkann, je nachdem man die Intensität der einen oder der andern Strahlensteigert. Man bringt nämlich durch Steigern der Intensität des rothenLichtes dasselbe hervor, was man bei Versuchen mit monochromatischem