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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Nachbilder.

wird. Fechncr hat aber darauf aufmerksam gemacht, dass dies damitzusammenhängt, dass wir unsern Sehnerven niemals im Zustande der völ-ligen Kühe empfinden, dass wir auch, wenn wir die Augen mit den Händenbedecken, nicht ganz schwarzes Sehfeld haben, sondern gewöhnlich einSehfeld, das uns etwas gelblich, wie mit feinem Goldstaub durchstreuterseheint, und dass in diesem subjeetiven Lichte auch die Farbe fehlt, diedie Erregung hervorgebracht hat, und deshalb ein Nachbild in comple-mentärcr Farbe und dunkler als der übrige Grund erscheint. Die Richtig-keit seiner Erklärung bestätigt sieh dadurch, dass, wenn man die Händeetwas lüftet und Licht durch die Augenlider hineinfallen lässt, diese Bildernicht versebwinden, sondern sich deutlicher auf dem nun helleren Grundeabsetzen. Bei starken monochromatischen Lichteindrücken, z. B. wennman durch ein rothes Glas in die Sonne sieht, folgen sich die Nachbildergewöhnlich in folgender Weise. Erst das positive gleichgcfärbte Nachbild,dann ein negatives complementär gefärbtes Nachbild, dann taucht wieder,wenn ein hinreichend starker Eindruck gemacht ist, ein positives gleich-gefärbtes Nachbild auf, dann wechseln negatives complementär gefärbtesund positives gleichgefärbtes Nachbild mehrmals mit einander ab, um sohäufiger, je stärker der Eindruck gewesen ist, und endlich steht dasnegative complementär gefärbte Nachbild noch eine Weile, und die Ketinakommt dann wieder zur Ruhe. Wenn der Eindruck nicht von mono-chromatischem Lichte gemacht wurde, sondern von weissem, gemischtemLichte, hat man keineswegs immer weisse oder schwarze Nachbilder, son-dern bei stärkeren Lichtcindrückcn hat man farbige Nachbilder, bei deneneine Farbe die andere verdrängt. Das beruht darauf, dass die Nachbilderder verschiedenen Farben zeitlich auseinanderfallen und deshalb auchnicht miteinander Weiss geben können, sondern verschiedene Farben nach-einander zum "Vorschein kommen. Man hat dies mit dem Namen des Ab-klingens des Nachbildes durch verschiedene Farben bezeichnet. Es istdabei merkwürdig, dass, wenn man ein positives Nachbild von einer be-stimmten Farbe bei geschlossenen und bedeckten Augen hat, und mandas Auge öffnet und auf einen hellen Grund sieht, auf dem hellen Grundedas negative complementär gefärbte Nachbild auftritt. Das Auge ist alsoobjeetiv untorempfindlieh gegen die Farbe, die es eben subjeetiv empfun-den. Wenn nun kein Nachbild mehr vorhanden ist, so ist doch nachden Lichteindrücken das Auge nicht ganz in seinem Normalzustande, inähnlicher Weise, wie wir gesehen haben, dass ein Nerv, durch den einStrom hindurchgegangen ist, noch nicht ganz in seinem Normalzustandeist, wenn auch kein Oeffnungstctanus mehr vorhanden ist. Dies zeigt sichan einer Verstimmung der Retina, in welcher die Farben anders wahr-genommen werden als sonst, und das gibt Veranlassung zu einer neuenArt von Contrastwirkungon. Durch den dauernden Eindruck einer Farbeist die Retina unterempfindlich geworden gegen dieselbe Farbe, und mansieht daher die complemcntäre Farbe subjeetiv verstärkt. Wenn wir eineZeit lang auf einen rothen Gegenstand gesehen haben, und sehen vondemselben weg auf einen grauen Gegenstand, so erscheint uns dieser grün-lich, und umgekehrt, wenn längere Zeit hindurch grünes Licht auf unserAuge eingewirkt, so erscheint uns ein grauer Gegenstand, auf den wirsehen, röthlich u. s. w.