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Das Sehen und die Farben.
die räumlichen Verhältnisse, in Rücksicht auf Bewegungen. Wenn maneine Zeit lang aus einem Fenster auf eine belebte Strasse hinabgesehen hat,
in der sich zahlreiche Wagen nach
Fig. 80.
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einer Richtung hin bewegen, und diesenmit dem Auge gefolgt ist, und blicktdas Strassenpflaster an, so scheint esdass dasselbe sich in entgegengesetzterRichtung bewege. Wenn man längereZeit auf einen Wasserfall sieht undplötzlich auf die danebenstehendenFelsen blickt, so scheinen sie aufzu-steigen. Es ist gewissermassen, alsob die Geschwindigkeit des fallendenWassers in einer späteren Periodenicht mehr denselben Eindruck machtewie im ersten Augenblick, so dass,wenn im ersten Augenblick die Ge-schwindigkeit V wäre, sie später einekleinere Grösse wäre, V — k: wennwir daher auf einen ruhenden Ge-genstand sehen, scheint uns diesermit der Geschwindigkeit k aufzu-steigen. Sitzt man in einer Eisenbahnin einem Hintercoupe und entfernt sich von einem Gebirge, und der Wagenhält plötzlich an, so scheint es, als ob das Gebirge näher heranrücke u. s.w.Ja, selbst auf die Beurtheilung von Gerade und Schief, von Parallelund Nichtparallol hat eine solche Verschiebung unseres Urtheils einen wesent-lichen Einfluss, wie man dies an der beistehenden, von Zöllner angege-benen Figur sieht. Die senkrechten schwarzen Striche sind parallel, und docherscheinen sie geneigt, weil uns die schief auf sie gerichteten Striche beirren.Kehren wir zu unseren Farben zurück, so ist es klar, dass, währendje zwei und zwei Farben des Farbenkreises miteinander Weiss geben, die-jenigen, die nicht miteinander complementär sind, nicht Weiss, sondernirgend eine andere Farbe geben müssen, und diese Farben sind die Misch-farben, welche im Farbenkreisc zwischen den complementären Farben ein-geschlossen sind. So gibt Roth mit Gelb Orange, Gelb mit Blau gibt Grün,das heisst mit demjenigen Blau, welches ihm nicht complementär ist, mitdem Türkisenblau oder Cyanblau. Blau und Both geben miteinanderViolett, Roth und Violett Purpur.
Die Wirkungen des Contrastes machen sich nun auch zwischen zweiNachbarfarben geltend, indem jede Farbe, neben ihre Nachbarfarbe gestellt,in derselben ihre eigene Farbe ertödtet und ihre complementäre Farbehervorruft. So erseheint z. B. Orange, wenn es neben Roth gestellt wird,gelb, Gelb neben Orange lässt das Orange mehr roth erscheinen u. s. w.Als Helmholtz zuerst zeigte, dass Gelb und Ultramarinblau miteinander Weiss geben, erregte dies allgemeines Erstaunen. Namentlichalle Maler waren fest überzeugt und sind es zum Theil noch heute, dassGelb und Blau nicht miteinander Weiss geben können, v/eil sie täglichaus Gelb und Blau Grün mischen. Die Mischung aber, welche dort vor-genommen wird, ist eine andere als diejenige, welche auf der Netzhaut