Nervus vagus.
117
Nabelschnur comprimirt wird, Inspiratipnsbewegungen noch innerhalb desUterus, innerhalb der Eihäute eintreten können.
Vor mehr als vierzig Jahren gab ein Arzt über die Todesursacheeines im Uterus zu Grunde gegangenen Kindes ein Gutachten ab, undsagte darin, er könne sich nicht anders ausdrücken, als dass das Kind imFruchtwasser ertrunken sei. Darüber wurde damals viel gelacht, es hatsich aber gezeigt, dass bei solchen Inspirationsbewegungen im Uterus Kindernicht unbeträchtliche Mengen von Fruchtwasser aspiriren, was später Ur-sache zu mangelhafter Anfüllung der Lungen mit Luft gibt.
Kosenthai schlicsst weiter aus seinen Versuchen, dass der Vagusdurch die Erregungen, welche er von der Lunge aus zu der Mcdullaoblongata bringt, die Auslösung der Inspiration erleichtert. Damit bringter es in Zusammenhang, dass, wenn man Thicrcn die N. vagi am Halsedurchschnitten hat, der Typus der Respiration sich in auffallender Weiseändert. Es worden die Athcmbewegungcn viel seltener und tiefer. Dasrührt nach Kosenthai daher, dass jetzt der Kciz, den die atmosphä-rische Luft auf die Lungenäste des Vagus ausübt, nicht mehr zur Mcdullaoblongata gelangt und deshalb die Auslösung der Athembeweguiigeiischwerer erfolgt, sich verzögert. Nun sammeln sich aber die Reize umso langer an, und daher tritt endlich eine tiefe Inspirationsbewegung ein.Die Reizung des Laryngeus superior dagegen hat den entgegengesetztenErfolg, sie widersteht der Auslösung der Respirationsbewegungen. Dieszeigt sich auch bei Reizung der oberen Fläche der Stimmbänder. Dennmit dem Verschluss der Stimmritze, nicht nur durch dieselbe, wird auchdie Inspiration angehalten. Daraus erklären sich auch die Erscheinungen,die bei Reizung des Vagusstammes beobachtet wurden. Wurde der Vagus-stamm allein gereizt, so ist in Folge dessen eine Inspirationsbewegungleichter ausgelöst worden, ja, wenn der Reiz kräftig genug war, tratKrampf der Inspirationsmuskcln ein, dieselben standen tetanisch in der In-spirationslage still. Wurde aber der Vagus gereizt, da, wo er den Laryn-geus superior noch nicht abgegeben hatte, oder gingen durch den letzterenStromschlcifen, dann überwog die hemmende Wirkung des Laryngeussuperior, und es standen nun Thorax und Zwerchfell in der Exspirations-lagc still.
Später hat Rosenthal's Theorie von den Athembcwegungen eineErgänzung und Modification zunächst durch Hering und Breuer gefunden.Diese sahen, dass, wenn man Luft in die Lunge cinbläst, also dieselben mitLuft auszudehnen versucht, sofort eine Exspirationsbcwegung erfolgt, dassdagegen, wenn man Luft aus der Lunge aussaugt, als Reflex sofort eineInspirationsbcwcgung eintritt. Hieraus erklärt, sich eine Thatsache, dieden Physiologen schon lange bekannt war, die Thatsache, dass, wenn manan Thicrcn künstliche Respiration einleitet, der Rhythmus der Athem-bcwegungen sich dem Rhythmus aecommodirt, den man der künstlichenRespiration gibt, einfach deshalb, weil man durch das Einblasen von Luft,also durch die künstliche Inspiration, sogleich die dazu gehörige Ex-spiration hervorruft. Es geht hieraus zugleich hervor, dass die Lungenästedes Vagus nicht blos inspiratorische Fasern führen, d. h. nicht blos Fasern,die durch Reflexe eine Inspirationsbewegung hervorrufen, sondern auchEasern, durch deren Reizung eine Exspirationsbcwegung hervorgebrachtwird. Es steht dies in Ucbcreinstimmung mit der Thatsache, das Schleim,