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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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zusammensetzen aus den verschiedenen Störungen nach Durchschneidim"einzelner Bogengänge. Mögen nun die senkrechten oder wagrechtenBogengänge verwundet sein, immer verlieren die Thiere die Fähigkeitzu fliegen. Nur mit Mühe vermögen sie Nahrung sclbstständig aufzu-nehmen. Sich selbst überlassen pflegen sie ungern den Standort zuwechseln. Machen sie eine freiwillige Fortbewegung, so wird die Er-reichung eines Zieles durch jene sofort auftretenden Drehbewegungendes Kopfes und Rampfes erschwert oder unmöglich gemacht. Man erhältdabei den Eindruck, als wenn die Thiere vom Schwindel ergriffen werden.Flourcns hat verschiedene von ihm operirte Tauben Jahre lang amLeben erhalten, ohne dass sich in den räthselhaften Erscheinungen, diesie darboten, etwas geändert hätte. Die Drehungen des Kopfes tretenübrigens erst dann ein, wenn man nach Durchtrennung der knöchernenauch die häutigen Bogengänge angeschnitten hat. Eine Verletzung, diesich auf die knöchernen, halbzirkelförmigen Kanäle beschränkt, führtdie beschriebenen Störungen nicht nach sich. Wenn Flourcns sichnicht damit begnügte, die Bogengänge zu durchschneiden, sondern grössereStücke derselben ganz und gar zerstörte, so verloren die Thiere voll-ständig das Gleichgewicht, vermochten nicht einmal zu stehen, geschweigedenn sieh regelmässig fortzubewegen. Nach wilder Rollbewegung undUeberkugclung gingen solche Thiere zu Grunde. Die beschriebenen räthsel-haften Bewegungsstörungen Hessen sich in ganz derselben Weise beob-achten, wenn Flourcns die Bogengänge bei Tauben verletzte,' denener einige Zeit vorher die Halbkugeln des grossen Gehirns fortgenommenhatte. Der Entdecker dieser wunderbaren Erscheinungen überzeugte sichferner durch sorgfältige Prüfungen, dass Tauben mit verletzten Bogen-gängen fortwährend das Gehör behalten, während Thiere, bei denenman die Sehnecken beschädigt, taub werden, ohne Bewegungsstörungenzu zeigen. Ausser an Tauben hat Flourens dieselben Versuche anvielen Vögeln der verschiedensten Arten mit demselben Erfolge wieder-holt, und auch Kaninchen zeigten im Wesentlichen dieselben Störungennach Verletzung der Bogengänge." Diese Angaben von Flourens sindbestätigt worden von Harless, Czermak, Bro wn - S equard, Vul-pian und Goltz. Goltz zeigte die in Rede stehenden Erscheinungenauf der Naturforschcrvcrsammlung zu Innsbruck und seitdem sind überallTauben nach der Methode von Flourcns operirt und hier in Wien vonBreuer ausführliche Untersuchungen an solchen angestellt worden. Be-sonders interessant ist es, zu sehen, wenn die Thiere den Kopf in derWeise verdrehen, dass die untere Seite des Schnabels nach oben gewendetist, bisweilen mit solcher Beharrlichkeit, dass, wenn man ihnen Futterdarbietet, sie dasselbe so aufnehmen, dass sie mit dem Kopfe verkehrtin das Futter hineingehen und die Körner erfassen. Wenn man übrigenssolchen Thiercn den Kopf eine Weile aufrecht erhält, so beruhigen siesich, sie machen auch keine Anstrengungen den Kopf wieder in die alteLage zurückzubringen. Man kann sie dann loslassen und sie halten denKopf in seiner natürlichen Lage. Wenn sie aber gereizt werden, fangensie an den Kopf wieder zu verdrehen, und haben sie dies gethan, sobleiben sie in dieser Lage, bis man sie wieder aufrichtet und beruhigt.Diese Erscheinung ist für uns von grosser Wichtigkeit. Sic zeigt, dasswir es nicht mit Zwangsbewegungen im eigentlichsten Sinne des Wortes