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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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ein kreisrundes Rindenstück von 15 Millimeter Durchmesser und 2 Milli-meter Dicke an einer bestimmten Stelle des Hinterhäuptlappens exstirpirt,so erkennt das Thier ihm früher wohlbekannte Gegenstände nicht mehr.Der Grund liegt nach Munk darin, dass es deren Erinnerungsbilder nichtmehr reproduciren kann, weil ihr Ort in dem exstirpirten Theilc war.Er nennt ein solches Thier seelenblind.

Nach einiger Zeit lernt ein solcher Hund wieder Gegenstände durchdas Gesicht erkennen, aber er fixirl sie nicht mehr wie ein gesunderHund mit den Augen. Es liegt dies nach Munk darin, dass er sich nichtmehr wie früher des mittleren Theiles seiner Netzhaut bedient, denn dasRindenstück, mit dem dieser verbunden war, ist ihm auf beiden Seitengenommen. Aber die Rindenpartien, mit denen die Seitentheile der Netz-häute, auf deren Bilder er früher so wenig achtete, wie wir es fhun, undyon denen ihm deshalb keine Erinnerungsbilder geblieben waren, verbundensind, besitzt er noch. Nun sieht er mit diesen Seitontheilen und erwirbtdadurch neue Erinnerungsbilder, nach denen er die Gegenstände erkennt.

Schälte Munk einem Affen von beiden Hinterhauptlappen in ganzerAusdehnung die Hirnrinde ab, so wurde er bleibend blind. Was geschah,wenn er dies nur auf einer Seite (hat? Dann sah der Affe nur nochmit einer Hälfte jeder Netzhaut, und zwar, wenn die Zerstörung linkswar, mit der rechten, wenn die Zerstörung rechts war, mit der linken.Es sind also beim Affen beide Hintcrhauptslappen mit beiden Augen ver-bunden, und dies ist auch beim Hunde der Fall, wenn auch die Ver-bindungen mit dem Auge derselben Seite weniger reichlich vorhandensind als beim Affen. Dies zuerst beim Affen gewonnene Resultat hatdadurch einen besonderen Werth, dass auch beim Menschen mehrereFülle von Blindheit auf gleichnamigen Nefzhauthälftcn, der rechten oderder linken beobachtet sind, in denen die Obduction eine Zerstörung imgleichnamigen Hinterhauptslappen nachwies.

Wenn man nach derjenigen Rindenregion fragt, bei deren Erkran-kungen am Menschen im Leben am häufigsten Sehstörungen beobachtetwurden, so liegt diese auch hier im hintersten Theile des Grosshirns.Es sind zunächst der Gyrus occipitalis superior und medius und dann dieunter dem Namen des Cuneus bekannte, der Falx zugewendete Partie desHinterhirns. Von da breitet sich die Region nach aufwärts noch auf einenTkeil des Praecuncus, nach abwärts auf einen Theil des Gyrus oeeipito-temporalis medius aus. Auch auf der äusseren Oberfläche des Hirns istdas Feld nicht strenge begrenzt, indem auch oberhalb des Gyrus occipitalissuperior und schon im Lobulus parietalis superior liegende Erkrankungender Hirnrinde mit Sehstörungen verbunden waren.

Ueber den Fornix und das Corpus callosum wissen wir nichts Sicheres.Es muss bemerkt werden, dass ausgedehnte Degenerationen im Corpus cal-losum gefunden worden sind, ohne dass während des Lebens überhaupt etwasM'alirgenommen wurde, das auf diese Degenerationen hätte bezogen werdenkönnen. Eine ganze Abtheilung von Säugefhieren, die Beutelthiere, habenbekanntlich gar kein solches Corpus callosum, wie es dem Menschen zukommt.

Gehen wir zu den sogenannten Grosshirngunglien über. Als solchebezeichnet man den Sehhügcl und das Corpus striatum in der weiterenBedeutung des Wortes. Letzteres zerfällt wieder in den Linsenkern undin das Coi'pus striatum im engeren Sinne des Wortes, den sogenannten

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