48
Rückenmark.
die jederseits aneinander gedrückt worden sind, so dasa sie noch mit ihrenconvexen Flächen hervorragen, und die dann wieder gegen die Mittedurch eine Brücke in Verbindung gesetzt sind. "Deshalb bezeichnet mandiese Theile des Rückenmarks als die vorderen grauen Colonnen und als diehinteren grauen Colonnen und sagt, die motorischen Nerven (Figur 11 b, b, b)entspringen aus den vorderen Colonnen, weil man in denselben auf Quer-schnitten zahlreiche Ganglienkugeln findet, aus welchen Nervenfasern ent-springen, die man in die vorderen Wurzeln hinein verfolgen kann. Wirhaben früher gesehen, dass man die Fortsätze der multipolaren Ganglien-kugeln in Nervenfaserfortsütze eintheilt und in Protoplasmafortsätze.Letzteren Namen hatte Deiters für die verzweigten Fortsätze eingeführt,jedoch ohne deren nervöse Natur in Abrede zu stellen. Von jeder dieserGanglienkugeln, die in den vorderen Hörnern liegen, sieht man einenNervenfaserfortsatz gegen die vordere Wurzel hin abgehen. Diese Ganglien-kugeln sind verhältnissmässig gross, haben zahlreiche Fortsätze, sind sehrunregelmässig von Gestalt, namentlich sehr entfernt von der Kugelgestalt.Manchmal sind sie sehr lang ausgezogen. Sie haben einen Kern und Kern-körperchen. Nach den Untersuchungen von Gerlach sind die Ganglien-zellen, welche Fasern zu den vorderen Wurzeln geben, keineswegs aufdie eigentlichen vorderen Hörner oder die vorderen grauen Colonnenbeschränkt, sondern es liegen auch nach aussen und selbst etwas nachhinten vom Centralcanale ähnliehe Ganglienzellen, die gleichfalls Fort-sätze zu den vorderen Wurzeln senden. Dagegen kennt man nicht mitSicherheit Fasern, welche vom Gehirne berabkommen und direct in dievorderen Wurzeln der Rückenniarksnerven übergehen. Es scheint also,dass die Communication zwischen dem Gehirn und zwischen den vorderenWurzeln, die Communication zwischen den Bahnen für die Willensim-pulse und den von ihnen abhängigen motorischen Nerven, immer mittel-bar durch Ganglienzellen stattfinde, ja nach den Untersuchungen vonBirge, der sow r ohl die Zellen, als auch die Wurzelfasern an Fröschenzählte, kann man hieran kaum mehr zweifeln.
Weniger gut als die Ursprünge der vorderen Wurzeln kennen wirdie centralen Verbindungen der hinteren (Figur 11 k, k, k, k). Mauthnerkonnte Fasern der hinteren Wurzeln im Rückenmarke des Hechtes zuGanglienkugeln verfolgen, welche im oberen Theile des Rückenmarks zubeiden Seiten des Centralcanals lagen und sich in ihrem Aussehen wesent-lich von denen unterschieden, aus welchen die motorischen Wurzeln ihrenUrsprung nahmen. Diese Ganglienzellen hatten einen Kern, der den Ein-druck eines kugelrunden Bläschens machte, der sieh beim Imbibiren mitCarmin immer weniger färbte als das Protoplasma der Zelle, während beiden Ganglienzellen, aus welchen die motorischen Wurzeln ihren Ursprungnahmen, die Kerne den Eindruck einer compacten Masse machten, diesich stärker als das Protoplasma der Zelle färbte. In diesem bläschen-artigen Gebilde lag ein Kernkörperchen, das sich mit Carmin wiederstärker färbte. Auch die Herde, aus denen sensible Hirnnerven hervor-gehen, schienen dafür zu sprechen, dass dort dergleichen Verbindungenmit solchen Ganglienkugeln stattfinden.
Später fand Kutschin bei Petromyzonten im Rückenmark Ganglien-zellen, von denen aus er Fasern zu den hinteren Whrzeln verfolgenkonnte, und S. Freud hat diesen Befund bestätigt und weitere Unter-