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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Allgemeines.

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entgegengesetzten Richtung den ursprünglichen Strom um das Mehrfacheübertrifft. Er hat ferner gefunden, dass diese durch einen Strom von ver-schwindender Dauer erzeugte negative Stromschwankung keine unmessbarkleine Zeit dauert, sondern* dass sich die Zeit ihrer Dauer bestimmenlägst, und zwar fand er, dass die Dauer einer solchen negativen Schwan-kung 0,00065 Sccunden beträgt. Da nun dies die Dauer einer einzigenSchwankung ist, und dieselbe sich mit der Geschwindigkeit von 28 Meterin der Secundc fortpflanzt, so ergibt sich daraus, dass die Stromschwan-kung sich in Gestalt einer Welle längs des Nerven fortpflanze, die eineLänge von 18 Millimetern hat, d. h. wenn der Nerv an irgend einerStelle erregt wird, so beträgt die Strecke, innerhalb welcher die electro-motorischen Eigenschaften desselben so verändert sind, dass der Nerven -ström nicht in seiner ursprünglichen Stärke existirt, dass er entwedergeringer oder sogar entgegengesetzt gerichtet ist, 18 Millimeter.

Man kann sich dies unter dem Bilde vorstellen, als ob bei jedemStromstosse ein Strom in entgegengesetzter Richtung in die betreffendeNervenstrecke hincinbräche und erst den Nervenstrom compensirte, endlicheinen Strom in entgegengesetzter Richtung hervorbrächte und dann all-mälig wieder aufhörte. Richtiger stellt man sich die Sache vor, wennman sich denkt, dass im Nerven selbst eine molekulare Veränderung vorsich geht, vormöge welcher zuerst der ursprüngliche Nervenstrom ab-nimmt, dann Null wird, und endlich, indem die molekulare Veränderungnoch weiter fortschreitet, durch die veränderte Anordnung nunmehr einStrom in entgegengesetzter Richtung hervorgebracht wird, bis dann dieMoleküle in ihre ursprüngliche Lage zurückfallen und so wiederum derursprüngliche Nervenstrom in seine alten Rechte eintritt. Wenn einaufgelegter Nerv durch die gewöhnlichen tetanisirenden Vorrichtungenerregt wird, so zeigt die Multiplicatornadel beim Tetanisiren des Nerven,trotz der momentanen Umkehrung des Stromes, wie dies schon du BoisTOSste, niemals einen umgekehrten Strom an, sondern immer nur eineStromabnahme. Das rührt daher, dass jede dieser negativen Strom-schwankungen nur eine sehr kurze Zeit dauert und dazwischen sichimmer die reizfreien Zeiten einschieben, in welchen der ursprünglicheNervenstrom wieder hervortritt. Die Nadel folgt bei der Trägheit ihrerBewegungen nicht dem einzelnen Stromstosse, sondern den summirtenWirkungen der negativen Stromschwankungen und der zwischen denselbenwieder hervortretenden ursprünglichen Nervenströme.

Mit diesen Veränderungen, die durch den elektrischen Strom her-vorgebracht werden, steht ein sehr merkwürdiger Versuch im Zusammen-hang. Nimmt man einen vorsichtig herauspräparirten Nerven, z. B. denIsckiadicus eines Frosches, und legt neben ihn und an ihn einen zweitenNerven, welcher noch mit einem Muskel oder mit einem ganzen Schenkelin Verbindung steht, und reizt das erste Nervenstück durch Schliessenund Öeffhen eines elektrischen Stromes, so tritt Zuckung ein, voraus-gesetzt, dass die Präparate hinreichend frisch und einem empfindlichenFrosche entnommen sind. Obgleich nun diese beiden Nerven gar nichtmit einander in organischer Verbindung stehen, zuckt doch der Muskel,wenn ich den ersten Nerven reize. Der Nerv, an dem noch der Muskelhängt (Eigur 4, a), schlicsst, indem an den andern (Eigur 4, b) an-gelegt ist, einen Stromkreis, durch den der Nervenstrom eben dieses

Brücke. Vorlesungen. II. 3. Aufl. 2