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2 : S/S. 1886 (1887) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Nervus vagus.

oblongata gelangt. Dieses Blut wirkt daselbst als Eeiz und erzeugt dieInspiration. Nachdem die Inspiration vorüber ist, tritt ein Augenblick derBuhe ein, dann, bis die Beize sich wieder summirt haben, eine andereInspiration u. s. w. Die Lebhaftigkeit der Bespiration wird also von derMenge des Sauerstoffs, welchen man dem Blute zuführt, abhängig sein.Führt man zu wenig Sauerstoff zu, so tritt Dyspnoe ein. Das Thier musskräftig und häufig athmen, um sich den hinreichenden Sauerstoff zu ver-schaffen. Die Anregung dazu wird dadurch gegeben, dass dieses venösereBlut einen stärkeren Beiz ausübt, und sieh deshalb in einer kürzerenZeit die Beize so weit summiren, dass eine Inspiration erfolgt. Er machtehierauf gewissermassen die Probe, indem er einem Thiere durch künst-liche Bespiration grosse Mengen von Luft zuführte, so dass er das Blutdesselben mit Sauerstoff übersättigte. Dadurch brachte er sogenannte Apnoehervor, d. h. das Thier setzte mit den Bespirationsbewegungcn ganz aus,weil eben jetzt nach Bosenthal das Blut, das zur Medulla oblongatagelangte, zu viel Sauerstoff hatte, um überhaupt einen hinreichenden Beizzur Auslösung einer Inspiration abzugeben. Dieser Versuch ist in neuererZeit von Biclctzky in lehrreicher Weise modificirt worden. Er durch-feilte bei Baubvögeln pneumatische Knochen und leitete mittelst der soerhaltenen Oeffnungen einen constanten Luftstrom durch die Lungen.Auch so konnte er Apnoe erzeugen, und zwar verhältnissmässig schnell,zum Theil schon nach 3 / 4 Minuten.

Von diesem Beize des venösen Blutes leitet Bosenthal auch denersten Athemzug ab. Er sagt, das Kind athmet nicht im Mutterleibe,so lange die Placentarcirculation im Gange ist, weil das Blut, das zur Me-dulla oblongata gelangt, nicht hinreichend venös ist. Wenn aber das Kindaus dem Uterus heraus ist, zieht sich der letztere zusammen, die Pla-centarcirculation wird sofort gestört, und nun wird das Blut venöser,wodurch der erste Beiz zum Inspirircn gegeben ist. Man beruft sich zurUnterstützung dieser Theorie vom ersten Athcmzuge wesentlich darauf,dass, wenn Störungen in der Placentarcirculation eintreten, wenn z. B. dieNabelschnur comprimirt wird, Inspirationsbewogungen noch innerhalb desUterus, innerhalb der Eihäute eintreten können.

Vor mehr als fünfzig Jahren gab ein Arzt über die Todesursacheeines im Uterus zu Grunde gegangenen Kindes ein Gutachten ab, undsagte darin, er könne sich nicht anders ausdrücken, als dass das Kind imFruchtwasser ertrunken sei. Darüber wurde damals viel gelacht, es hatsich aber gezeigt, dass bei solchen Inspirationsbewogungen im Uterus Kindernicht unbeträchtliche Mengen von Fruchtwasser aspiriren, was später Ur-sache zu mangelhafter Anfüllung der Lungen mit Luft gibt.

Bosenthal schliesst weiter aus seinen Versuchen, dass der Vagusdurch die Erregungen, welche er von der Lunge aus zu der Medullaoblongata bringt, die Auslösung der Inspiration erleichtert. Damit bring!er es in Zusammenhang, dass, wenn man Thieren die N. vagi am Halsedurchschnitten hat, der Typus der Bespiration sich in auffallender Weiseändert. Es werden die Athembcwegungen viel seltener und tiefer. Dasrührt nach Bosenthal daher, dass jetzt der Beiz, den die atmosphä-rische Luft auf die Lungenästo des Vagus ausübt, nicht mehr zur Medullaoblongata gelangt und deshalb die Auslösung der Athcmbowegungcnschwerer erfolgt, sich verzögert. Nun sammeln sich aber die Beize um