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2 : S/S. 1886 (1887) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Geschmackssinn.

den Geruch vollständig abgesprochen. Es ist die Behauptung, dasa dieFische nicht röchen, von den englischen Anglern ausgegangen, als die-selben zuerst ausgedehnte Erfahrungen darüber machten, -wie sieh Fische,z. B. Forellen und Saiblinge, durch einen unechten Köder täuschen Hessen,dadurch, dass man Insecten aus Seide, Flor, Bauschgold und anderen Uten-silien nachgemacht hatte. Da haben nun die Angler gesagt, wenn der Fischröche, da niüsste er ja die Witterung haben, und dann könnte er nichtauf einen solchen künstlichen Köder anbeissen. Das beruht aber, wie ichglaube, auf einem Missverständnisse, denn der Fisch riecht auch das wirk-liche Insect nicht, das über der Oberfläche des Wassers herumflattert,sondern springt nach demselben, weil er es sieht, und gerade so springter auch nach dem künstlichen Köder, weil er denselben sieht. Da dasThier im Wasser lebt und nicht in der Luft, so muss auch sein Geruchs-sinn insofern andere Fähigkeiten haben ; als hier nicht Substanzen gerochenwerden, die in der Luft verbreitet sind, sondern Substanzen, die imWasser verbreitet sind, ähnlich wie wir die Substanzen, die im Wasserverbreitet sind, schmecken. Es ist sehr wohl möglich, dass den Fischenihr Geruchsorgan im Wasser als Wegweiser dient, so dass sie durch das-selbe die Begionen kennen lernen, die ihnen zuträglich sind, und diejenigen,welche ihnen nicht bekommen, diejenigen Begionen, wo sie sich Bechnungmachen können, ihre Existenz zu finden, wo sie ihren Laich absetzenkönnen u. s. w.

Geschmackssinn.

Verbreitungsgebiet.

Wir haben schon früher bei der Bhysiologie der Hirnnerven aus-führlich besprochen, welche Nerven wir für die Geschmacksnerven halten,welchen Nerven wir einen Antheil an der Geschmacksempfindung zu-schreiben. Jetzt tritt aber eine andere Frage an uns heran, die, mitwelchen Theilen wir schmecken. Es existirt von den rothen Lippen anbis in den Oesophagus hinein kein Ort, von dem nicht einmal gesagtworden ist, dass er schmecke. Es fragt sich nun: Was ist hieran Tat-sächliches? Von welchen Theilen der Schleimhaut können wirklich Ge-schmacksempfindungen erregt werden? Nach den Untersuchungen von Stichund Klaatsch, die ausführlich mit süssen, sauren, bitteren und salzigenSubstanzen experimentirt haben, können Geschmacksempfindungen von demBande der Zunge aus erregt werden, von einem Streifen der um denBand der Zunge herumgeht, aber oft nur eine Breite von 2 Linien hat;dann von den hinteren zwei Dritttheilen der Zungenoberfläche und vonder unteren Fläche des weichen Gaumens. Leber den Band der Zungeund über die zwei hinteren Dritttheile der Zungenfläche ist kein Zweifelvorhanden, über das Schmecken am Gaumen sind Zweifel erhoben worden,indem nicht alle Versuche früherer Experimentatoren ein positives Besultatergeben haben.

Es fragt sich, wie ist es möglich, dass die Angaben über dieschmeckenden Bartien der Schleimhaut so verschieden ausfallen konnten,und wie kann es überhaupt so grosse Schwierigkeiten haben, das Gebiet