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Wäre das Auge genau centrirt, dann müssten zwar die Stücke ungleichbreit sein, aber in einer Linie liegen, das heisst das breitere Stück müsstenach beiden Seiten symmetrisch über das schmalere hinübergreifen, Diesist aber nicht der Fall, sondern sie weichen, bei dem einen Auge mehr,bei dem andern weniger, seitlich aus, und zwar sind die Richtungen, indenen sie ausweichen, bei den verschiedenen Augen verschieden. Darausgebt hervor, dass das menschliche Auge nicht um die Gcsichtslinio cen-trirt ist, und wenn man bedenkt, dass die Farbenzorstreuung nur einBruohtheil von der ganzen Ablenkung ist, welche die Strahlen erfahren,denn sie ist ja nur die Differenz zwischen der Ablenkung der kurzwelligenund der langwelligen Strahlen, so bemerkt man, dass dieser Mangel anCentrirung bei den meisten Augen keineswegs ein unbedeutender ist.
Refractions- und Accomniodationsanomalien.
Wir haben bis jetzt im Allgemeinen von solchen Augen gesprochen,welche im Zustande der Kühe für die unendliche Ferne eingestellt sind.Diese Augen pflegt man mit dem Namen der emmetropischen oder nor-malen Augen zu bezeichnen. Normale Augen nennt man diese Augendeshalb, weil sie in der Jugend die vortheilhaftesten und brauchbarstensind, weil man mit ihnen in der unendlichen Ferne deutlich sehen kannund auch so weit für die Nähe aecommodiren, dass man feine SchriftLesen, feine Arbeiten ausführen kann u. s. w. — Wenn man aber dasganze Leben überblickt, so muss man sagen, dass diese Augen keineswegsdie vortheilhaftesten sind, welche man haben kann, namentlich nicht füreinen Gelehrten, und nicht für Jemanden, der auf feine, im Kleinen aus-zufahrende Arbeiten angewiesen ist. Diese Augen werden bereits immittleren Lebensalter dadurch, dass sie an Accommodationsvermögcn ver-lieren, für die Nähe unbrauchbar. Man blicke auf umstehende Tafel,welche die Sehweite des emmetropischen Auges in den verschiedenenLebensaltern nach Donders darstellt. Oben stehen die Lebensjahre, linksdie Entfernungen, pp ist die Linie, welebe den Veränderungen des Nahe-punktes in den verschiedenen Lebensaltern folgt, r r die Linie für denFernpunkt. Das Auge kann im zehnten Lebensjahre bis auf eine Ent-fernung von 2% Zoll aecommodiren. Die Accommodation des Kindes istdemnach eine ausserordentliche. In späteren Jahren aber nimmt diesesAecommodationsvermögen rasch ab. Schon mit 23 Jahren aecommodirtdas Normalaugc nur noch auf 4 Zoll, mit 40 Jahren nur noch auf 8 Zoll,und vor Anfang der fünfziger Jahre Aveicht der Nahepunkt auf 12 Zollzurück, also auf eine Entfernung, in der man schon recht feine Arbeitennicht mehr gut vornehmen kann und feine Schrift nur noch mit An-strengung liest. Für diese Entfernung wird jetzt schon die ganze Ac-oommodationsanstrengung, die man nur für kurze Zeit erträgt, gebraucht,während der Jüngling für diese Entfernung noch mit einem Bruchtheileseiner Accommodation ausreichte. Es muss bemerkt werden, dass diesnoch keineswegs die ungünstigsten Fälle sind, bei denen das NormalaugeSogen Ende der vierziger Jahre seinen Nahepunkt 12 Zoll entfernt hat;es kommt vor, dass die Accommodation noch rascher verloren geht undder Nahepunkt in diesem Alter schon bis nahe auf 24 Zoll hinausgerückt,ist. Nach späteren Untersuchungen von Donders stellt sich sogar das