Polyopie monoplithalmica.
195
kommen, und Timgekehlt. Nun ist, wie gesagt, die Farbenzerstreuungzu gering, als dass die Farben vollständig von einander getrennt wären,sie beschränkt sieh darauf, dass man auf der einen Seite mehr Gelbroth
Fig. 41.
und auf der andern mehr Blau hat. Fallen also die Strahlen von beidenSeiten her übereinander, so compensiren sich die Farben und heben ein-ander auf. Wenn aber die Kotina entweder durch den Vereinigungspunktder violetten Strahlen oder durch den der rothen fällt, dann ist diesnicht der Fall, und deshalb sehen wir die farbigen Säume an Gegenständen,für welche das Auge nicht eingestellt ist. Ferner, wenn wir mit einemGegenstande unsere halbe Pupille verdecken, so sehen wir sofort an weissenGegenständen, die sich auf dunklem Grunde absetzen, farbige Säume, weilwir nun die Compensation aufheben, indem wir die Strahlen, die durchdie eine Hälfte des Auges gehen, abblenden.
Von der Verminderung der Sehschärfe, welche die Farbenzerstreuungdes normalen Auges bedingt, merken wir für gewöhnlich nichts. Dass siedennoch vorhanden ist, davon kann man sich in folgender Weise über-zeugen. Man wähl! auf die Seite 17G beschriebene Art zwei gleich hellefarbige Gründe, z. B. ein rothes und ein blaues Fapier, von denen daseine, sagen wir das rothe, nur Farben von wenig verschiedener Wellen-lange, etwa nur Farben bis zu den D -Linien zurückgibt, das andere aberStrahlen aus allen oder fast allen Tlieilen des Spectrums. Nim prqjicirenwir auf beide ein schwarzes Gitter und suchen den kleinsten Gesichts-winkel, unter dem wir die Stäbe desselben unterscheiden. Wir werdenlinden, dass das Unterscheidungsvermögen bei Anwendung des rothen Grun-des besser ist. Jetzt mischen wir beide Farben auf optischem Wege,so dass wir drei gleich helle Gründe erhalten, einen rothen, einen purpur-farbenen und einen blauen. Wir werden jetzt finden, dass das Unter-scheidungsvermögen auf dem purpurfarbenen Grunde noch schlechter istals auf dem 'blauen. Dieser Versuch zeigt zugleich, dass man das Unter-scheidungsvermögen nicht allgemein als Mass für die Helligkeit einerBeleuchtung anwenden kann, sondern nur für gewisse praktische Zwecke.
Polyopia monophthalinica.
Der Mangel an Achromasie ist nicht die einzige Unvollkommenhcitdes optischen Apparates des Auges. Bekanntlich gibt es an unseren künst-liehen Instrumenten noch eine zweite Unvollkommenhcit, welche wir mitdem Namen der sphärischen Aberration bezeichnen. Wenn auf eine Linse
13*