Scheinbare Grösse.
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Es ist gar nicht selten, dass man Laien miteinander streiten hört,wie gross man den Mond sehe. Der eine sagt, er sehe den Mond sogross wie einen Fassboden, der andere sagt, er sehe ihn so gross wieeinen Teller, der dritte sagt, er sehe ihn so gross wie einen Silbersechser.Die drei können sich natürlich nicht miteinander einigen, aber sie habenalle drei Recht. Denn es handelt sich nur darum, wie weit ich mir denFussboden, den Teller oder den Silbersechser vom Auge entfernt vorstelle,um einen Winkelwerth herauszubringen, welcher gleich ist demjenigen derscheinbaren Grösse des Mondes.
Ich muss hiebei bemerken, dass die Entfernung, in welcher wir der-artig entfernte Körper, wie den Mond, sehen, bei Weitem unterschätztwird, und dass wir meist geneigt sind, das Bild des Mondes mit dem vonverhältnissmässig grossen terrestrischen Dingen zu vergleichen, die wir unsunbewusst mehr oder weniger entfernt vom Auge vorstellen. Hclmholtzbemerkt, dass auf dem blinden Flecke der Netzhaut, also auf der Eintritts-stolle dos Sehnerven, oilf Vollmonde nebeneinander Platz haben.
J. Plateau, hat über das Unterschätzen der Entfernung des Mondesfolgenden interessanten Versuch durch seinen Sohn anstellen lassen. Derletztere projicirte das Nachbild des Vollmondes auf eine Mauer und näherteoder entfernte sich, bis ihm das projicirte Nachbild ebenso gross erschien,wie ihm der Mond erschienen war. Seine Entfernung von der Mauer fandsich dann gleich 51 Meter. Er hatte also, als er den Mond ansah, diesenin einer Entfernung von nur 51 Metern vorgestellt.
Eine nur theilweise erklärte Thatsache ist es, dass der Mond amHorizont uns immer grösser erscheint, als wenn er höher am Himmelsteht. Natürlich kann dies nur daher rühren, dass wir die Entfernung desMondes grösser schätzen, wenn er sich am Horizont befindet, als wenner hoch am Himmel steht. Es fragt sich aber, wie das zu erklären sei.Man sagt, dass es davon herrühre, dass in dem unteren Theile der Atmo-sphäre mehr Dünste seien, und es Einem vermöge der stärkeren Wirkungder Luftpcrspective vorkomme, als ob der Mond entfernter sei. Es reichtaber diese Erklärung nicht ganz aus, denn bei terrestrischen Gegenständenunterliegt man ähnlichen Täuschungen. In meiner Heimat befand sicheine sehr hohe Stange, auf welche alljährlich ein Holzvogel gesteckt wurde,um darnach zu schiessen. Wenn dies geschehen sollte, wurde sie horizontalgelegt, und ich erinnere mich, dass mir der Vogel immer kleiner erschien,wenn sie aufgerichtet war, als ich ihn vorher vom Fussende der Stangeaus gesehen hatte. Es scheint, dass man* auch mitberücksichtigen muss,dass uns der Boden und die Gegenstände, die sich auf dem Boden be-finden, einen Anhaltspunkt für die Schätzung der Entfernung geben, unddass man die Entfernung da mehr unterschätzt, wo Einem solche Anhalts-punkte nicht zu Gebote stehen.
Dass die scheinbare Grösse ein Winkelwerth ist, das wird auchmanchmal bei der Angabe der Vcrgrösscrungen des Mikroskops vergessen.Man glaubt genug zu thun, wenn man sagt, dieses Linsensystem ver-größert mit dem und dem Oculare fünfhundcrtmal. Das hat aber nureinen Sinn, wenn man eine bestimmte Entfernung zu Grunde gelegt, inwelcher man sich das Objcct vor dem Auge vorstellt. Wenn ich sage:Der Gegenstand erscheint mir fünfhundortmal vergrössert, so hat das anund für sich keinen Sinn. Wenn ich aber sage, der Gegenstand erscheint