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2 (1873) Lehrbuch der organischen Chemie für den Unterricht auf Universitäten, technischen Lehranstalten und für das Selbststudium
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Balsame und Weichharze.

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Bereitung der Harzfirnisse: Auflösungen von Harzen in Alkohol (Wein-geistfirnisse), Terpentinöl (Terpentinölfirnisse), und fetten trocknen-den Oelen (fette Lackfirnisse), die auf zu firnissende Gegenstände aufge-strichen, alsbald zu einer harten glänzenden Decke eintrocknen. Auch zurBereitung der Harzseifen, gewisser Kitte finden einige Anwendung, währendandere als Farbstoffe benutzt werden.

Auf die Anwendung der Harze zur Erzeugung von Leuchtgas wurde be-reits im ersten Theile a. a. 0. hingewiesen. "Wir werden, uns an obige Bin-tlieilung haltend, von den Harzen nur die praktisch-wichtigeren beschreiben.

I. Balsame und Weichharze.

Terpentin. Ursprünglich: verstand man unter dem Namen Terpen- Terpentin,tin das halbflüssige Harz von Pistacia Terebinthinus (cypriseher odersyrischer Terpentin), heutzutage aher versteht man darunter Gemengevon Terpentinöl und Harz, welche durch Einschnitte in die Rinde vonmehreren zur Familie der Conifercn gehörenden Bäumen gewonnen wer-den. Von den im Handel vorkommenden Sorten wird der deutscheTerpentin hauptsächlich von Pinus sylvestris, der nordamerikanische vonPinus palustris, der französische von Pinus maritima, der Strassburgervon Abiesarten, der Yenetiamsche (Terebinthina vencta) von PinusLarix,der ungarische von Pinus Pumilio, endlich der canadische Balsam von Äbieshalsamea gesammelt. Der Terpentin stellt eine mehr oder weniger klare,durchsichtige, hlassgelbe, zähe, klebrige Masse von balsamischem Geruchund scharf bitterem Geschmack dar, die in Weingeist vollkommen löslichist, und an der Luft sich unter Verharzung des Oels mehr und mehr ver-dickt. Der gemeine Terpentin von Tannen und Fichten enthält nichtselten geringe Mengen von Ameisen- und Bernsteinsäure. Der ungari-sche Terpentin liefert bei der Destillation mit Wasser das Oleum templi-num.

Destillirt man Terpentin mit Wasser, so geht Terpentinöl überund es bleibt der sogenannte gekoebte Terpentin (Terebinthina coeta) zu-rück, eine gelbliche, leicht zerreibliche Masse von schwachem Geruch.Destillirt man den Terpentin ohne Zusatz von Wasser, so bleibt das Co-lophonium oder Geigenharz zurück, dessen Anwendungen bekanntsind. Das Colophonium ist gelblichbraun, durchscheinend, spröde undglänzend, leicht schmelzbar, in Alkohol, Aether und ätherischen Oelenleicht löslich. Digerirt man es längere Zeit mit Weingeist, so enthält derWeingeist Abietinsäure: C20H30O2 gelöst, die sich aus kochendem Abiätin-Weingeist beim Verdünnen mit Wasser in Krystallblättchen ausscheidet, Pimarsaüredie unlöslich in Wasser, löslich dagegen in Alkohol, Aether und Benzolsind und bei 129° schmelzen. Ihre Salze sind amorph. Eine damit iso-mere Säure, Pimarsäure, bildet denHauptbestandtheil desGalipot, desim Handel vorkommenden Harzes von Pinus maritima. Sie krystallisirtin harten Krusten, schmilzt bei 149°, ist schwerer löslich wie die Abietin-