Zehnter Abschnitt.
Harze.
Mit dem Namen Harze bezeichnet man gewisse organische aus Koh-lenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff bestehende Stoffe, welche zu den allge-meinsten Pflanzenbestandtheilen gehören, und meist gleichzeitig mitätherischen Oelen in eigenen Behältern, den sogenannten Harzgängen,enthalten sind. Einige davon schwitzen zu gewissen Zeiten von selbstaus den Pflanzen aus, andere werden durch gemachte Einschnitte ent-leert. So wie sie in den Pflanzen vorkommen, sind sie keine reinechemische Verbindungen, sondern Gemenge mehrerer. Ihre allgemeinenCharaktere sind folgende:
Die Harze sind bei gewöhnlicher Temperatur fest oder festweich, Aiigcmei-zuweilen farblos und durchscheinend bis durchsichtig, meist aber gefärbt, "akirr."Einige sind geruchlos, andere haben einen aromatischen Geruch, der vonbeigemengtem ätherischem Oele herrührt. Die rohen Harze sind niemalskrystallisirt, sondern amorph, von muscheligem Bruch und gewöhnlichspröde. In vollkommen gereinigtem Zustande können aber einige auchkrystallisirt erhalten werden. In der Wärme sind sie meist leichtschmelzbar, können aber nicht ohne Zersetzung destillirt werden. Siesind brennbar und brennen mit leuchtender russender Flamme. In Was-ser sind sie unlöslich, löslich aber in Alkohol, Aether, ätherischen undfetten Oelen. Doch ist ihre Löslichkeit in diesen Lösungsmitteln einesehr verschiedene. Die Harze sind, wie dies aus der Physik bekannt ist,Nichtleiter der Elektricität und werden beim Beiben positiv elektrisch.
Im Allgemeinen sind sie kohlenstoffreich und sauerstoffarm. Ihremchemischen Charakter nach verhalten sie sich wie schwache Säuren; ihreAuflösungen röthen häufig Lackmus und treiben zuweilen beim Kochenaus kohlensauren Alkalien die Kohlensäure aus. In kaustischen Alkalienlösen sie sich auf, indem sie sich damit zu den sogenannten Harzseifenverbinden. Diese Lösungen schäumen in der That wie Seifenwasser undwerden durch Säuren unter Abscheidung des Harzes zersetzt.
ma