Druckschrift 
2 (1873) Lehrbuch der organischen Chemie für den Unterricht auf Universitäten, technischen Lehranstalten und für das Selbststudium
Entstehung
Seite
579
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Camphene.

579

des Oeles verschieden, bei chemischen Einwirkungen durch moleculareUmlagerung in isomere, oder vielleicht polymere Camphene übergeht, diezum Theil durch chemische, namentlich aber durch physikalisch-optischeEigenschaften sich unterscheiden. Sie sind unter den Namen Terecam-| phen, Austracamphen, Tereben, Colophen, Polytereben, Tere-bilen, Camphilen beschrieben.

Bei anhaltendem Kochen mit verdünnter Salpetersäure liefert dasTerpentinöl Essigsäure, Propionsäure, Buttersäure, Oxalsäure, Toluyl-säure, Terephtalsäure, Camphoronsäure und die nachstehend beschriebe-nen zwei Säuren:

Terebinsäure: C7IT10O4, in Alkohol und Aether lösliche, prismati- Terebin-sche, bei 168° schmelzende Krystalle. Beim Erhitzen liefert die Terebin-säure die der Buttersäure sehr ähnliche, bei 210° C. siedende Brenz-terebinsäure: C 6 Hi 0 O 2 . (Vergl. S. 220.)

Terebentilsäure: C 8 H 10 O;>, talgartige Masse von schwachem Tereben-Bocksgeruch, bei 90° C. schmelzend und bei 250° C. destillirend; dieSiiure stellt sich in ihren Eigenschaften zwischen die Caprylsäure unddie Toluylsäure, sie bildet zum Theil krystallisirbare Salze. Diese Säureentsteht auch, wenn Terpin dampfförmig über erhitzten Natronkalk ge-leitet wird.

Wird Terpentinöl in rauchende Salpetersäure, oder ein Gemisch vonSalpeter-Schwefelsäure gegossen, so findet augenblickliche Entzündung

statt.

Durch die geregelte Einwirkung von Chlor auf Terpentinöl entstehenchlorhaltige Substitutionsproducte, die zähe, camphorartig riechende Flüs-sigkeiten darstellen. Durch Schwefelsäure erleidet das Terpentinöl meh-rere isomere Umwandlungen. Unter Anderem entsteht dabei das Colo-phen, welches auch bei der Destillation des Colophoniums erhalten wird.

Das Terpentinöl wird als Heilmittel innerlich und in der Form seiner AnwendunDämpfe inhalirt angewendet. Innerlich wirkt es als Reizmittel besonders auf ^entfnül« Edas Harnsystem, und ertheilt dem Harn einen veilchenartigen Geruch. Ausge-dehnter sind seine Anwendungen in der Technik. Es dient zur Bereitung derHarzflrnisse, als Verdünnungsmittel für Öelfarben und für andere Zwecke mehr.Ceher Kalk rectificirt und mit Weingeist vermischt, stellt es das sogenannteCamphin oder Camphen dar, welches in Lampen gebrannt wird. Cakpbin.

Zu den Camphenen gehören ausserdem noch folgende ätherische Oele:

Citronenöl, Ol. Cort. Citri. Durch Auspressen der Citronenschalen ge-wonnen, von dem lieblichen Geruch der Citronen. Bergamottöl, Ol. Berya-moüae. Durch Auspressen der Schalen der Bergamottcitrone (Citrus media berya-motla) gewonnen. Von lieblichem Geruch. Findet in der Parfümerie und Phar-macie vielfache Anwendung. Pomeranzenöl, Ol. Cort. Avrantiorum. DurchAuspressen der Orangenschalen dargestellt. Findet in der Pharmacie u. s. w.Anwendung.

87*