Blausäure.
Die Blau-säure gehtunter Auf-nahme von2H 2 0 inameisensau-res Ammo-nium üherimd dieseskann durch"Erhitzenwieder inBlausäurezurückver-wandeltwerdon-
ffasser abgeschwächt. Sie ist ebenfalls giftig und zwar in hohem Gradegiftig, doch sind davon, um den Tod zu bewirken, grössere Dosenuötbig, als von der wasserfreien Blausäure. Eine 1 bis 2 Proc. wasserfreieSäure enthaltende Blausäure ist officinell und wird als Heilmittel ge-braucht.
Wasserfrei vereinigt sie sich mit trockener Chlor-, Brom- und Jod-ivasserstoffsäure zu festen krystallinischen, aber sehr unbeständigen Ver-bindungen, die durch Wasser augenblicklich in Chlor-, Brom- und Jod-ammonium und Ameisensäure zerlegt werden. Mit Acetaldehyd vereinigtsie sich zu einer bei 180° siedenden flüssigen Verbindung, die sich beiEinwirkung von Salzsäure in Salmiak und Gährungsmilchsäure spaltet:OKH + C 2 H 4 0 + HCl + H 2 0 = NH 4 C1 + C 3 H ö 0 3 .
Durch Behandlung mit starken Säuren und Alkalien geht die Blau-säure unter Aufnahme von 2 Mol. H 2 0 in ameisensaures Ammoniumüber:
CNH -f- 2H 2 0 = CH(NH 4 )O äBlausäure Ameisensaures Am-
monium
und umgekehrt verwandelt sich ameisensaures Ammonium beim Erhitzenunter Verlust von 2 Mol. H 2 0 in Cyanwasserstoffsäure:
CN(NH 4 )0 2 — 2H 2 0 = 2 CNHAmeisensaures Am- Blausäure
monium
Auch die verdünnte Blausäure zersetzt sich allmählich von selbstunter Bildung von ameisensaurem Ammonium; durch Zusatz einigerTropfen Schwefelsäure wird sie haltbarer.
Da man Nitrile (vergl. S. 203) solche Verbindungen nennt, diebeim Erhitzen der Ammoniumsalze einbasischer Säuren unter Austrittvon 2 Mol. Wasser entstehen, so kann man vom Standpunkte dieserReaction aus. die Blausäure als das Nitril der Ameisensäure betrachten.
Wasserstoff in statu nascendi verwandelt die Blausäure in Methyl-amin:
CNH -f-4H = CH B NBlausäure Methylamin
Cyanwasserstoff- und Wasserstoffgas über Platinschwarz geleitet, ver-einigen sich ebenfalls zu Methylamin, gleichzeitig wird Methylamin-Pla-tineyanür gebildet.
Mit den Metalloxyden setzt sie sich, der Chlorwasserstoffsäure voll-kommen analog, in Cyanmetalle und Wasser um.
Vorkommen und Bildung. Ob freie Blausäure als solche im VorkommenPflanzen- oder Thierorganismus vorkommt, erscheint sehr zweifelhaft, da- Bildung,gegen geben die Kerne der bitteren Mandeln, der Pfirsiche, Kirschen,Aprikosen, Pflaumen und Quitten, — die Blüthen von Pfirsich, Schleh-dorn und Vogelbeerbaum, die Blätter von Pfirsich, Kirschlorbeer und