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2 (1873) Lehrbuch der organischen Chemie für den Unterricht auf Universitäten, technischen Lehranstalten und für das Selbststudium
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Fünfter Abschnitt.

Cyanverbindungen.

Badical: CN'. Symbol: Cy.

Allgemeine In einer Anzahl stickstoffhaltiger organischer Verbindungen muss

tuiigeu. man als näheren Bestandtheil die einwerthig fnngirende AtomgruppeCyan, CN' annehmen, welche in ihren Verbindungen den Salzbiklnern:Chlor, Brom und Jod in vielen Beziehungen vergleichbar ist, aber anderer-seits durch ihre Neigung sich zu polymerisiren, und gewisse Metalle inganz eigenthümlicher Weise in sich aufzunehmen, Derivate von sehr com-plicirter Constitution liefert.

Nimmt man den Kohlenstoff ein- für allemal als vierwerthiges,den Stickstoff als dreiwerthiges Element an, so ist die Einwerthigkeitdieser Atomgruppe ohne Weiteres verständlich: indem sich an das vier-werthige Kohlenstoffatoni ein dreiwerthiges Stickstoffatom anlagert, bleibtvon den vier Valenzen des ersteren eine unbefriedigt und ist die Atom-gruppe daher einwerthig. Allein wir haben bereits an anderem Ortehervorgehoben (vergl. S. 95), dass für den Stickstoff die Annahme inva-riabler Werthigkeit gewichtigen Thatsaohen gegenüber nicht festzuhaltenist, und derselbe in gewissen Verbindungen als dreiwerthiges, in anderenVerbindungen dagegen ebenso entschieden als fünfwerthiges ElementMogUchkeit fungirt. Betrachten wir nun im Cyan den Stickstoff fünfwerthig, so lässtsich damit die Einwerthigkeit des Cyans ebenfalls in Einklang bringen,wenn wir annehmen, dass sich an das fünfwerthige Stickstoffatom dasvierwerthige Kohlenstoffatom mit seinen vier Valenzen anlagert, wo dannvon den fünf Valenzen des ersteren eine unbefriedigt bleibt. Fungirtaber der Stickstoff im Cyan das eine Mal drei-, das andere Mal fünf-werthig, d. h. giebt es zwei Cyane, so eröffnet sich die Möglichkeit vonisomeren Verbindungen dieser scheinbar so einfach constituirten Gruppe.

von Isomerien.