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2 (1873) Lehrbuch der organischen Chemie für den Unterricht auf Universitäten, technischen Lehranstalten und für das Selbststudium
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Säuren der Oelsäurereihe.

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Da in dieser Säurereihe die Oelsäure das am Genauesten gekannteGlied ist, so werden diese Säuren wohl auch als Säuren der Oelsäure-reihe bezeichnet. Isomerien sind in dieser Keihe häufig. So kennt mandrei Säuren der Formel C4 H c 0 2 (Crotonsäure, Isocrotonsäure, Methacryl-säure) und ebenso viele Isomere der Formel C 8 Hi 0 0 2 (Brenzterebin-siiure, Hydrosorbinsäure, Aethylcrotonsäure). Jedoch sind einige koh-lenstoffreichere Glieder nur sehr unvollständig gekannt, und verhaltensich in gewissen Reactionen von den niederen Gliedern so abweichend,dass es sehr zweifelhaft wird, ob sie nach ihrer näheren Constitution die-ser Reihe wirklich angehören.

Alle Säuren der Keihe sind einwerthige und einbasische Säuren,enthalten demnach die für Säuren charakteristische CarboxylgruppeC 0 0 II nur einmal und ausserdem kein weiteres Hydroxyl (0 H). Siesind zum Theil flüssig, zum Theil fest, einige destillirbar, andere nicht-flüchtig, und lassen durchaus jene nahe Uebereinstimmung der Eigen- Verhaltenschaften vermissen, welche nahestehende Glieder der' Keihe der fetten und°gegeuSäuren zeigen (vergl. S. 143). Dagegen zeigen sie gegen Brom undgegen Wasserstoff ein sehr charakteristisches Verhalten. Sie vereini-gen sich nämlich mit einem Molekül Brom (2 At.) direct durch Addition,nnd einige davon auch mit 1 Mol. Wasserstoff. Von diesem Standpunkteerscheinen sie als ungesättigte Moleküle oder sogenannte lücken-hafte Verbindungen. Da nun die so entstandenen Verbindungen nochdie Carboxylgruppe enthalten, so müssen sich Wasserstoff und Brom zudem Kohlenwasserstoffcomponenten der Säure, welcher bei allendie allgemeine Formel C n H2n—1 besitzt, hinzuaddiren. Es müssen des-halb diese Kohlenwasserstoffe, wenigstens im Momente der Einwirkung haften Ver-zwei ungesättigte Verwandtschaftseinheiten besitzen. Nimmt bmdun s en -man aber in diesen Säuren ungesättigte Affinitäten wirklich an, so sindbereits für das erste Glied der Reihe: die Acrylsäure, drei Isomeriefälletheoretisch möglich, welche in nachstehenden Formeln, in welchen diePunkte die ungesättigten Affinitäten bedeuten, ihren übersichtlichen Aus-druck finden:

Wasserstoff.

Thoorie der

I.

CH,.

CH.

COOII

IL

CH..

CH 2CO OH

III.

CH 3

1C.

COOII

Die Isomerie wäre demnach in der verschiedenen Vertheilung derungesättigten Verwandtschaftseinheiten an den nicht der Carboxylgruppe■ingehörigen Kohlenstoffatomen begründet. Dieser Anschauung über dieConstitution dieser Säuren steht aber eine andere gegenüber, welche dieExistenzfähigkeit freier ungesättigter Moleküle überhaupt leugnend,eine theilweise doppelte Bindung des Kohlenstoffs in diesen Säurenannimmt; nach dieser Anschauung wäre die Formel der Acrylsäure z. B.