V
Specieller Theil.
Erster Abschnitt.
Einwerthigc Alkohole und ihre Derivate.
Allgemeinesüber Alko-hole.
Ein- undniehrwer-thigoAlkohole.
Unter der Bezeichnung „Alkohol" verstand man früher eine be-stimmte organische Verbindung: jene, von der wir mit Wasser vermischt,unter dem Namen „Weingeist" im gewöhnlichen Leben so ausgedehntenGebrauch machen. Heute aber ist der Name Alkohol ein Gattungsbegriffgeworden, wie es die Bezeichnung Säure ist; wir fassen nämlich unterdieser Bezeichnung eine grosse Anzahl organischer Verbindungen voneiner gewissen Gemeinsamkeit der chemischen Constitution und des che-mischen Verhaltens zusammen.
Die Alkohole sind ternär zusammengesetzte, aus Kohlenstoff, Wasser-stoff und Sauerstoff bestehende Körper, zum Theil bei gewöhnlicher Tem-peratur flüssig und flüchtig, zum geringeren Theil fest und nichtflüchtig,von vollkommen neutraler Keaction. Einige davon wirken berauschendund sind leicht entzündlich, alle brennbar.
Alle Alkohole enthalten sogenannten extraradicalen oder typi-schen Wasserstoff, und zwar ein oder mehrere Atome solchen Wasserstoffs,der, ähnlich dem extraradicalen Wasserstoffe der Säuren, durch gewisseElemente und als Badicale fungirende Molekülreste substituirt werdenkann. Alkohole, welche ein Atom solchen Wasserstoffs enthalten, werdenals einsäurige, einwerthige oder einatomige bezeichnet. Alkohole,welche mehrere Atome extraradicalen Wasserstoffs enthalten, werden alsmehrsäurige, mehrwerthige, mehratomige Alkohole bezeichnet.
Indem wir uns die nähere Entwickelung des Begriffs der mehrwer-thigen Alkohole auf später versparen, fassen wir zunächst die einwerthi-gen Alkohole und ihre Derivate von allgemeinen Gesichtspunkten aus insAuge.