Radicaltheorie. 9
Verbindungen der Alkalimetalle, seine Salze sind sogar mit denen desKaliums isomorph; es verbindet sich mit Schwefel, Chlor, Brom, Jod,ganz so wie Kalium oder Natrium, und es kann andere Metalle in Ver-bindungen vertreten. Wenn wir Ammonium kein organisches Ra-dical nennen, so geschieht es nur deshalb, weil es keinen Kohlenstoff'enthält.
Die Bedeutung der Bezeichnung: organische Radicale ist naohdem Erörterten ohne Weiteres verständlich: organische Radicale sindkohlenstoffhaltige Atomgruppen, nähere Bestandtheile organischer Ver-bindungen , die in diesen dieselbe oder eine ähnliche Rolle spielen, wiedie Elemente in den anorganischen Verbindungen. Diejenigen,denen der Gedanke, Atomgruppen sollten sich wie Elemente verhal-ten können, etwas Widerstrebendes hat, brauchen wir nur daran zuerinnern, dass ja der Begriff der Elemente oder einfachen Radicale nurein relativer ist, und wir Elemente solche Stoffe nennen, die wir bis-her nicht weiter zerlegen konnten. Was uns demnach heute ein ein-faches Radical, d. h. ein Element ist, kann morgen ein zusammen-gesetztes sein.
Die Radicaltheorie fasste die organischen Verbindungen als Verbin- Die Hadi-dungen organischer Radicale unter sich, oder als Verbindungen von or- f ;lss to dieganischen Radicalen mit Elementen auf, und ihre Aufgabe war die Er- vTrWiun-mittelung jener näheren Bestandtheile organischer Verbindungen, welche g™ ™jjJ,° Bdarin nach Art der Elemente fungiren. Sie defmirte daher die organi- R™ 60 ' 1 ™
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sche Chemie als die Chemie der organischen Radicale. schor Weise
ö auf.
Zur Zeit, als die Theorie der organischen Radicale sich entwickelte,war die dualistische, oben angedeutete Auffassung der chemischen Ver-bindungen noch die ausschliesslich herrschende; es war daher nur na-turgemäss, dass diese Auffassung auf die organischen Verbindungenübertragen wurde.
Nachstehende Beispiele werden dies versinnlichen. In einer Reiheorganischer Verbindungen kann ein organisches Radical angenommenwerden, dessen Zusammensetzung durch die Aecp-iivalcntformel Cj H 5ausgedrückt wird. Dieses Radical hat den Namen Aethyl erhalten. Inseinen Verbindungen zeigt es die grösste Analogie mit denen des Ka-liums; es ist ein metallähnliches Radical. Nachstehendes Schema, in wel-chem wir der Kürze halber dem Aethyl das Symbol Ae geben, und na-türlich die dualistischen rationellen Formeln benutzen, macht dies an-schaulich.
Kalium = K
KO..........= Kaliumoxyd
K 0, H 0.......= Kalihydrat
2 K 0, S 2 0 6 ......= Schwefelsaures Kali
KO, HO, S 2 0 6 .....= Saures schwefelsaures Kali
KCl..........= Chlorkalium
KBr .........= Bromkalium