Nachweis der Bitterstoffe im Bier.
1857
■weiteren Untersuchung wird dieselhe hierauf mit so viel Ammoniak versetzt,daß alle Schwefelsäure und ein Teil der Essigsäure neutralisiert werden(Jlethylanilinviolettlösung darf durch einige Tropfen nicht mehr hlau gefärbt■werden s. S. 404), und alsdann auf 250 bis 300 ccm verdunstet. Der Bück-stand wird, um Dextrin usw. zu fällen, mit 4 Vol. absoluten Alkohols ge-mischt die Mischung gut durchgeschüttelt und nach 24 stündigem Stehen imKeller filtriert. Nachdem aus dem Filtrat der größte Teil des Alkoholswieder abdestilliert ist, schüttelt man zunächst die saure Flüssigkeit nach-einander mit Petroleumäther, Benzol und Chloroform aus und wiederholtalsdann die Ausschüttelung mit diesen drei Lösungsmitteln in der an-gegebenen Reihenfolge, nachdem die wässerige Flüssigkeit durch Am-moniakzusatz alkalisch gemacht ist. Beines Bier, aus Malz und Hopfenbereitet, zeigt bei der Behandlung nach obigen Angaben folgendes Ver-halten:
Petroleumäther (Siedep. 33 bis 60°) nimmt nur geringe Mengen festerund flüssiger Bierbestandteile auf, darunter den in jedem Bier enthaltenenFusel. Der Geschmack des Verdunstungsrückstandes ist kaum bitterlich; erwird durch reine konzentrierte Schwefelsäure, durch Schwefelsäure undZucker, sowie durch Salpetersäure nur gelblich, durch konzentrierte Salzsäurenahezu farblos gelöst. Benzol entzieht dem Bier nur geringe Mengen einerharzartigen, nur schwach bitterlich schmeckenden Substanz, welche gegendie erwähnten Säuren sich ähnlich wie der Bückstand des Petroleumäther-auszuges verhält und welche in verdünnter Schwefelsäure (1 : 50) gelöst mitden gewöhnlichen Alkaloidreagenzien, wie Jod- und Bromlösung, Kalium-Quecksilberjodid, Kalium-Cadmiumjodid, Gold-, Platin-, Eisen- und Queck-silberchlorid, Pikrinsäure, Gerbsäure und Kaliumdichromat, keine Nieder-schläge liefert, auch Goldchlorid beim Erwärmen nicht reduziert. Mit Phos-phomolybdänsäure gibt diese Lösung erst nach einiger Zeit eine sehr geringeTrübung. Chloroform verhält sich ähnlich dem Benzol. Aus der am-moniakalisch gemachten, von Chloroform zuvor befreiten Flüssigkeit nimmtPetroleumäther so gut wie nichts auf. Benzol entzieht ihr nur Spureneiner Substanz, die bisweilen aus ätherischer Lösung kristallisiert, welchejedoch keine charakteristischen Farbenreaktionen zeigt und keine physio-logische Wirkung ausübt.
Folgende Hopfensurrogate lassen sich nach der beschriebenen Methodeim Bier nachweisen:
"Wermut: In dem Petroleumätherauszug der sauren Flüssigkeit findetsich ätherisches Öl, welches an seinem Geruch erkannt werden kann, und einTeil des Bitterstoffes. Konzentrierte Schwefelsäure färbt den Verdunstungs-rückstand braun; beim längeren Stehen geht die Färbung in Violett über.Schwefelsäure und etwas Zucker erzeugen allmählich eine rotviolette Lösung.Wird ein Teil des Verdunstungsrückstandes in wenig Wasser gelöst, soreduziert die filtrierte Lösung ammoniakalische Silberlösung, während sie mitGöldchlorid und Kalium-Quecksilberjodid Fällungen, mit Gerbsäure, Jod-Jod-kalium und Quecksilberoxydulnitrat nur schwache Trübungen liefert. Benzolund Chloroform nehmen ebenfalls Bitterstoff auf, welcher die gleichen Re-aktionen liefert.
Ledum palustre (Porst): Petroleumäther entzieht das charakteristischriechende ätherische Öl. Benzol und Chloroform nehmen amorphe, bitterschmeckende Massen auf, welche mit Schwefelsäure und Zucker dunkel rot-violette Lösungen geben und, mit verdünnter Schwefelsäure (1:10) gekocht,den eigenartigen Geruch nach Ericinol entwickeln. Goldchlorid und alkali-sche Kupferlösung werden reduziert, Jod-Jodkalium und Gerbsäure bewirkenSchmidt, Pharmazeutische Chemie. II. \yj