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2. Organische Chemie 2. Abt. (1911) Organische Verbindungen mit geschlossenem Kohlenstoffringe ...
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1852

Ptomaine.

gegangenen, längere Zeit beerdigten Kadavern gefunden worden. Diei-ePtomaine sind farblose oder schwach gelb gefärbte, stark alkalisch reagierendeFlüssigkeiten von mehr oder minder deutlich ausgeprägtem Coniingeruch undmeist von scharfem, tabakartigem G-eschmack. Ein Teil dieser coniinartigenPtomaine ist nicht giftig, ein anderer Teil derselben wirkt toxisch, jedochist es bisher unentschieden, ob die physiologische Wirkung mit der des echtenConiins übereinstimmt. Es zerfallen dieselben ferner in flüchtige und nichtflüchtige; in wasserlösliche, deren Lösung ähnlich der des Coniins beim Er-wärmen getrübt wird, und in wasserunlösliche; in solche, die aus saurer undaus alkalischer Lösung mit Äther ausgeschüttelt werden können, und solche,die nur aus alkalischer Flüssigkeit in ätherische Lösung gehen. In demVerhalten gegen die allgemeinen Alkaloidreagenzien stimmen die coniinartigenPtomaine mit dem echten Coniin meist überein. Schwanert beobachteteein solches, welches das Froeh d e sehe Reagens beim Erwärmen nach kurzerZeit prachtvoll blau färbte. Selmi will sogar ein Ptomain aufgefundenhaben, welches chemisch und physiologisch mit dem echten Coniin überein-stimmte. Die Richtigkeit dieser Angabe vorausgesetzt, dürfte es allerdiny-iunter Umständen für den Gerichtschemiker schwierig sein, zu entscheiden,ob ein nach dem Stas-Ottoschen Verfahren (s. S. 1551) aus Leichenteilenabgeschiedenes flüssiges Alkaloid echtes Coniin oder nur ein coniiuartigesPtomain ist. In einem derartigen Fall wird nur die Art der Krankheit unddes Todes, sowie der Sektionsbefund eine Entscheidung ermöglichen. Eineanalytische Prüfung, im Verein mit einer physiologischen, wird jedoch mitSicherheit immer zu einer Entscheidung führen, wenn die Untersuchung baldnach dem Tode des betreffenden Individuums zur Ausführung gelangt, mit-hin durch vorgeschrittene Fäulnis eine Bildung von Ptomainen noch nichtveranlaßt worden ist.

Ein dem Nicotin ähnlich reagierendes, in Äther lösliches Ptomain voncurareartiger "Wirkung ist von Tamba aus gefaultem Pferdefleisch isoliertworden. Wolkenhaar fand ferner in einer 6 Wochen alten Leiche bei derExtraktion mit Äther ein flüssiges, flüchtiges, nicht giftiges Ptomain vonstarkem Tabakgeruch. Aus gefaulten Seepolypen schied Oechsner deConinck ein angenehm, nach blühendem Ginster riechendes, gegen 230"siedendes Ptomain: C l "H 1:, N, ab, welches bei der Oxydation Nicotiusäure(s. S. 1502) lieferte.

Ein dem Aconitin in dem Verhalten gegen Schwefelsäure und Phos-phorsäure ähnliches Ptomain, welches von Äther aus alkalischer Lösung auf-genommen wurde, ist von Meoke beobachtet.

Ein mit dem Delphinoidin von italienischen Sachverständigen ver-wechseltes Ptomain stimmte mit jenem Alkaloid insofern überein, als esbeim Erwärmen mit Phosphorsäure eine Rotfärbung, und bei Berührung mitkonzentrierter Schwefelsäure eine rotbraune Färbung lieferte. Es unter-schied sich davon jedoch im Geschmack und in der physiologischen Wirkung,sowie auch in dem Verhalten gegen Schwefelsäure und Bromwasser, undgegen Froehdes Reagens (fehlende Rotfärbung, s. S. 1630). Die ätherischeDelphininlösung gibt ferner mit frisch bereiteter ätherischer Lösung vonneutralem Platinchlorid einen weißen, flockigen Niederschlag, welcher sich ineinem gleichen Volumen absoluten Alkohols nicht löst; im weiteren liefertsie mit Gold-Natriumthiosulfat einen Niederschlag. Das delphininartigePtomain lieferte letztere beiden Reaktionen nicht.

Selmi beobachtete ferner ein Ptomain, welches mit dem Morphin be-züglich der Fähigkeit, aus Jodsäurelösung Jod frei zu machen, überein-stimmte, welches jedoch in der physiologischen Wirkung, sowie in dem

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