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Darstellung und Eigenschaften der Alkaloide.
I
wissen Entwickelungsstadium alkaloidhaltig werden. Von einer Bedeutungdes Alkaloids für das "Wachstum bzw. für die Assimilation der Pflanze kannsomit nicht die Rede sein.
Es ist dies von vornherein auch sehr unwahrscheinlich, wenn man er-wägt, daß der einzelne Daturasamen im günstigsten Falle nur 4 / 100 mg Hyos-cyamin enthält. Das ist eine so winzige Menge, die wohl für die Ent-wickelung einer nahezu meterhohen Pflanze von vornherein keine Rollespielen kann.
Nach diesen Beobachtungen dürften die Alkaloide nur als Abfall-stoffe des pflanzlichen Stoffwechsels anzusehen sein, die von der Pflanzean geeigneten Stellen aufgespeichert werden, um ihr als Schutzstoffe gegenden Eingriff von Insekten und von anderen Tieren zu dienen. Der Umstand,daß diese Ablagerungen in größerem Umfange , besonders in den peripherenTeilen, wie in der Samenschale, in den äußeren Teilen der Wurzel, in derBinde und in den Blättern erfolgt, dürfte hierfür als Bestätigung zu be-trachten sein.
Darstellung. Die Gewinnungsweise der Alkaloide ist je nach denchemischen und physikalischen Eigenschaften derselben eine verschiedene.Die flüchtigen Pflanzenbasen werden gewöhnlich in der Weise dargestellt,daß man die genügend zerkleinerten Vegetabilien nach Zusatz von Ätznatron-lösung oder von Kalkmilch mit Wasserdämpfen der Destillation unterwirftund alsdann aus dem wässerigen Destillat die im freien Zustande befindlichenBasen in geeigneter "Weise (s. Coniin) zur Abscheidung bringt. Die nichtflüchtigen oder doch nur sehr schwer flüchtigen Pflanzenbasen werden imallgemeinen den betreffenden Pflanzenteilen durch Extraktion mit an-gesäuertem Wasser oder Alkohol entzogen. Aus den auf diese Weise ge-wonnenen Auszügen scheidet man, nach vorhergegangener Konzentration, bis-weilen auch nach vorheriger Ausfällung der von Alkohol befreiten Auszüge mitBleiacetat und darauffolgender Entbleiung der Filtrate durch H 2 S oder ver-dünnte Schwefelsäure, die Basen durch Zusatz von ätzenden oder kohlen-sauren Alkalien, oder durch Ätzkalk oder gebrannte Magnesia ab und reinigtdie hierdurch entstehenden Niederschläge, welche die freien Basen infolgeihrer Schwerlöslichkeit in Wasser enthalten, durch Umkristallisieren ausAlkohol, Äther, Chloroform und ähnlichen Lösungsmitteln. Für die wenigenin Wasser leicht löslichen, nicht flüchtigen Alkaloide kann die Schwerlöslich-keit gewisser Salze oder Doppelsalze derselben — Fällung der Lösungendurch Gerbsäure, Pliosphomolybdänsäure, Phosphowolframsäure, Quecksilber-jodid-Jodkalium, Wismutjodid-Jodkalium usw. — mit Erfolg zur Abscheidungbenutzt werden. Die Details der Darstellungsmethoden werden später beiden einzelnen Alkaloiden erörtert werden, da häufig der verschiedenartigeCharakter derselben gewisse, erst durch besondere Versuche zu ermittelndeModifikationen in der Beindarstellung bedingt.
Eigenschaften. Die sauerstofffreien, nur aus Kohlenstoff,"Wasserstoff und Stickstoff bestehenden Alkaloide bilden in ihren Haupt-vertretern bei gewöhnlicher Temperatur wasserhelle, unzersetzt destil-lierbare Flüssigkeiten, welche meist einen intensiven, charakteristischenGeruch besitzen (z. B. Coniin, Nicotin). Bei der Berührung mit derLuft nehmen sie infolge einer teilweisen Oxydation allmählich eine gelbebis braunschwarze Färbung an. Sauerstofffreie, kristallisierbare Alka-loide sind bisher nur wenige, das Wrightin, das Calycanthin, dasIsocalycanthin und das Aribin, näher bekannt geworden.