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2. Organische Chemie 2. Abt. (1911) Organische Verbindungen mit geschlossenem Kohlenstoffringe ...
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Pyridin.

Die Konstitution des Pyridins ist der des Benzols sehr ähnlich,wie aus seinem chemischen Verhalten und aus seiner Bildungsweise ausPentamethylendiamin und £-Chloramylamin, bzw. Piperidin (s. oben), sowieaus Ohinolin hervorgeht. Aus letzterem, welches seiner Konstitution nachgenau bekannt ist (s. dort), entsteht durch Oxydation Pyridindicarbonsäure,ähnlich wie aus Naphtalin durch Zerstörung eines Benzolkerns Phtalsäuregebildet wird. Die so gebildete Pyridindicarbonsäure kann dann leichtdurch Erhitzen mit Atzkalk in Pyridin verwandelt werden (Hoogewerff,van Dorp):

CH=CHCH=N

-OH=CH

0-

n i

CCH=CH

Chinolin

CH=CHCCO.OH

GH-

rCH-CH

iiCH=N------GH

Pyridin.

CH=N----- C CO.OH

Pyridindicarbonsäure

Das Pyridin kann hiernach als Benzol aufgefaßt werden, in welchemeine dreiwertige CH-Gruppe durch ein Stickstoffatom ersetzt ist (Körner):

GH

I

HCy,CH-

OH

Benzol

HC

CH

Ach

I

HC. ^CH

NPyridin (I)

CH

CH

HC

HC

\

CH

/

CH

N

HC<I >,CH

HCl<T>!cH

NPyridin (III)

CH

H0/|>CH

Hcl/|NCH

NPyridin (IV)

Pyridin (II)

Manche Umsetzungen und Bildungsweisen des Pyridinkerns, z. B. dieIdentität der a- und (/-Substitutionsprodukte (s. unten), finden eine einfachereErklärung in der Annahme, daß in dem Pyridin das Stickstoffatom mit demgegenüberliegenden (in der Para - Stellung befindlichen) Kohlenstoffatom ver-bunden ist, entsprechend obiger Formel II. (Dewar, Biedel). Neuerdingsnimmt man in dem Pyridinkern auch diagonale, bezüglich zentrische Bin-dungen, wie in der Clausschen (III), bezüglich Armstrong-Baeyerschen(IV) Benzolforme] (s. S. 1025), an.

Zur Erkennung des Pyridins (und der Pyridinbasen) dient der Ge-ruch und die Fällbarkeit (selbst in sehr verdünnten Lösungen) durch Queck-silberchlorid-, Cadmiumchlorid- und Cadmiumjodidlösung (s. unten). Erwärmtman ferner einen Tropfen Pyridin mit der gleichen Menge Jodmethyl gelindein einem Eeagensglas und rührt alsdann das gebildete Jodid mit etwas ge-pulvertem Ätzkali und wenig Wasser zu einem dicken Brei an, so entwickeltsich beim gelinden Erhitzen ein sehr charakteristischer, an Isonitrile undSenföle erinnernder Geruch (A. "W". Hofmann).

Anwendung. Das Pyridin dient im reinen Zustande als Arzneimittel(gegen Asthma), im rohen Zustande zur Denaturierung des Alkohols (sieheS. 236). _

Prüfung. Die Beinheit des arzneilich angewendeten Pyridins ergibt sichdurch die Farblosigkeit, die Unveränderlichkeit im Licht, den Siedepunkt, dasspez. Gew. und die vollständige Flüchtigkeit. Die wässerige, 1 : 10 bereiteteLösung werde durch Phenolphtaleinlösung nicht gerötet (Ammoniak usw.),dagegen müssen 5 ccm einer 1:10 bereiteten wässerigen Lösung durch zweiTropfen Kaliumpei-manganatlösung (1 : 1000) dauernd oder doch mindestenseine Stunde lang gerötet werden. 1 ccm Pyridin (0,989 g), in der 10 fachenMenge "Wasser gelöst, erfordern zur Neutralisation 12,5 ccm Normal-Salzsäure.Als Indikator läßt sich Cochenille - oder Campechenholztinktur, sowie Di-methylamidoazobenzol (s. I. anorgan. Teil, S. 640) benutzen.

Salze des Pyridins. C 5 H 6 N, HCl und C 5 H 5 N, HBr sind zerfließliche,kristallinische Massen; C 5 H 5 N, HJ bildet tafelförmige, in Wasser und in