Druckschrift 
2. Organische Chemie 2. Abt. (1911) Organische Verbindungen mit geschlossenem Kohlenstoffringe ...
Entstehung
Seite
1496
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

1496

Pyridin.

Basen durch Ätzkali und sucht die hierdurch wieder ahgeschiedenen freienBasen durch oft wiederholte, fraktionierte Destillation voneinander zu scheiden.In ähnlicher "Weise dient die zur Reinigung der Brauukohlenteerdestillate(s. S. 121) und Besonders des leichten Steinkohlenteeröls benutzte Schwefel-säure (s. S. 1030) zur Gewinnung von Pyridinbasen.

Eigenschaften. Die Pyridinbasen sind farblose, stark alkalischreagierende, unzersetzt destillierbare Flüssigkeiten von stechendem Ge-ruch. Die kohlenstoffärmeren Basen sind in Wasser leicht löslich, diekohlenstoffreicheren lösen sich in Wasser nur wenig oder gar nichtauf. Mit Säuren verbinden sie sich, ähnlich wie die Aminbasen (sieheS. 764), durch direkte Addition, ohne Abspaltung von Wasser, zu Salzen.Mit Alkyljodid vereinigen sie sich, entsprechend den tertiären Mon-aminen (s. S. 764), zu Alkylammoniumjodiden, aus denen Ätzalkaliendie betreffenden Basen nicht abscheiden, wogegen frisch gefälltes Silber-oxyd dieselben in stark kaustische, den Tetraalkylammoniuinhydroxydenentsprechende Basen überführt, z. B.:

0 5 H 5 N -f- C ! H 5 J = C 6 H 5 N.C ! H\ J,2[C b H 5 N.C ! H 5 . J] -\- Ag 2 0 -f H*0 = 2AgJ -f 2[C 5 H 5 N. C*H 5 .OH].

Werden die Additionsprodukte der Pyridinbasen mit Jodalkylenauf 290° erhitzt, so entstehen durch Umlagerung alkylierte Pyri-dine, z. B.:

C 5 H 6 N.C i H 6 J = C 5 H 4 (C' 2 H 6 )N, HJ.

Durch Salpetersäure oder Chromsäure werden die Pyridinbasennur wenig oder gar nicht angegriffen. Durch Kaliumpermanganatwerden die alkylierten Pyridine, ähnlich wie die Alkylbenzole in Benzol-carbonsäuren verwandelt werden (s. S. 1033), durch Umwandlung derAlkylgruppen in CO. OH-Gruppen, in Pyridincarbonsäuren über-geführt, z. B.:

C 5 H 4 (CH 3 )N + 3 0 = C : 'H'':N CO. OH + H s OPicolin Pyridincarbonsäure.

Halogen-, Nitro- und Sulfonsäurederivate lassen sich aus demPyridin und seinen Homologen weit schwieriger darstellen, als aus demBenzol und dessen Homologen.

Reduktionsmittel, namentlich Natrium in siedender alkoholischerLösung, führen die Pyridinbasen in Piperidinabkömmlinge, welche denCharakter sekundärer Basen tragen, über, z. B.:

C 5 H 5 N 4- 6H = C 5 H I0 .NH.

Das Pyridin: C'H'N, welches 1851 von Anderson entdeckt ist, findetsich in kleiner Menge im rohen Amylalkohol (Haitinger) und im rohenSalmiakgeist (Ost). Es kommt ferner vor im Tieröl (Anderson, Weidel),im Steinkohlenteer (Williams), im Braunkohlenteer (Rosenthal), in denProdukten der trockenen Destillation einiger bituminöser Schiefer (Williams)und des Torfs (Church, Owen), im Holzteer (Looft), in den Destillations-produkten einiger Alkaloide mit Kalihydrat, im Tabaksrauch (Vohl, Eulen-burg), in den Röstprodukten des Kaöees (Monari) usw. Es entsteht beider trockenen Destillation der Pyridinmono-, -di - und -tricarbonsäuren mit