Druckschrift 
2. Organische Chemie 2. Abt. (1911) Organische Verbindungen mit geschlossenem Kohlenstoffringe ...
Entstehung
Seite
1444
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

1444

Weihrauch, Myrrhe.

i

Kalihydrat geschmolzen, erzeugt es Resorcin, Oxalsäure und riechende Fett-säuren. Salzsäure vom spez. Gew. 1,12 nimmt allmählich schön rote Farbean, wenn sie längere Zeit in der Kälte oder bei mäßiger "Wärme mit Galba-num in Berührung bleibt. Übergießt man das Galbanum mit der dreifachenMenge Wasser und fügt einen Tropfen Salmiakgeist zu, so zeigt das Wasser,infolge Aufnahme von etwas Umbelliferon , eine bläuliche Fluoreseenz (vgl.auch S. 1442). Bei der trockenen Destillation liefert das Galbanum etwa1 Proz. Umbelliferon (s.S. 1218); gleichzeitig geht ein intensiv blau ge-färbtes, bei 289° siedendes Öl über, welches mit dem blaugefärbten Anteildes Kamillenöls identisch zu sein scheint (s. S. 1368).

Das Galbanumharz findet arzneiliche Anwendung. Der Aschengehaltübersteige 10 Proz. nicht, der in heißem Alkohol unlösliche Teil betragehöchstens 50 Proz.

Weihrauch, Olibanum, wird in Arabien und Ostafrika aus dem Stammvon BoswelUa Carteri (aus der Familie der Bursernceen) durch Einschneidender Binde und Erhärtenlassen des ausfließenden Milchsaftes gewonnen. Der-selbe bildet gelblichweiße oder rötliche, kugelige oder stalaktitenförmige,außen bestaubte, zum Teil durchscheinende Körner mit wachsartigem Bruch.Zwischen den Zähnen wird er knetbar. Sein Geruch ist ein eigentümlichbalsamischer, besonders beim Verbrennen, sein Geschmack ein aromatischbitterer. Der Weihrauch enthält bis 7 Proz. eines linksdrehenden, aus Links-Pinen, Dipenten, Phell andren und Cadinen bestehenden ätherischenÖls von 0,86 bis 0,89 spez. Gew. bei 15° (Wallach, Schimmel & Co.).Außerdem finden sich nach Halbey in dem Weihrauch noch 33 Proz.amorpher Boswellinsäure: C 31! H 52 0 4 , bei 150° schmelzend; 33 Proz. amor-phen Olibanoresens: (C 14 H S2 0)n; 20 Proz. Gummi (Arabin); 6 bis 8 Proz.Bassorin, etwa 3 Proz. anorganische Stoffe und geringe Mengen eines inWasser löslichen Bitterstoffes. Beim Schmelzen mit Atzkali liefert der Weih-rauch keine Verbindungen der aromatischen Gruppe. Bei der trocknenDestillation entstehen reichliche Mengen von Pinen: C 10 H 10 .

Der Weihrauch dient besonders zum Bäuchern.

Myrrhe, Herabol-Myrrhe, Myrrha , ist in besonderen Zellen desBindenparenchyms von Commiphora Myrrha bzw. von Balsamodcndron Myrrha,einer in Arabien heimischen Burseracee, enthalten. Sie fließt als gelber Saftfreiwillig aus und erhärtet allmählich am Stamm. Die Myrrhe bildet gelb-liche, rötliche oder braune, rundliche oder unregelmäßige Stücke mit fett-glänzender, bisweilen weißgefleckter Bruchfläche. Sie liefert ein gelbes Pulverund, mit Wasser angerieben, eine gelbe Emulsion. Ihr Geruch ist ein eigen-tümlich balsamischer, ihr Geschmack ein bitterlich kratzender. Beim Kauenklebt sie an den Zähnen. Die Myrrhe enthält 2 bis 6 Proz. eines leicht ver-harzenden ätherischen Öls; etwa 35 Proz. eines in Alkohol, Chloroform undEisessig vollständig, in Äther und Schwefelkohlenstoff nur teilweise löslichenHarzes, welches aus einem amorphen, indifferenten Weichharz: C 26 H 34 O b iund zum Meineren Teil aus zwei amorphen, zweibasischen Harzsäuren:c i3 H i6 0 o und c26 H 3£ 09j beg^t. 50 ^g 55 p roz . eines wasserlöslichen Gummis:C 8 H I0 O 5 , welches nach Tollens bei der hydrolytischen Spaltung Galactose,Arabinose und Xylose liefert; geringe Mengen eines in Wasser lösliehenBitterstoffes und Enzyms, sowie einige Prozent Wasser, anorganische Bestand-teile und Unreinigkeiten. Die Literaturangaben über die Einzelbestandteileder Myrrhe lauten, vielleicht bedingt durch eine verschiedene Abstammungderselben, sehr widersprechend.

Das «ätherische Myrrhenöl bildet ein gelbbraunes, dickflüssiges Liqui-dum von starkem Myrrhengeruch. Spez. Gew. 1,011 bei 15°; linksdrehend.