Druckschrift 
2. Organische Chemie 1. Abt. (1910) Organische Verbindungen mit offener Kohlenstoffkette
Entstehung
Seite
642
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

642

Äther der unterchlorigen und der salpetrigen Säure.

,|OH

oder von Chlor-

furylchlorid: S0 2 C1% von Sulf uryloxychlorid: S0 2 w

sulfonsäureäthern (s. S. 641) auf Alkohole.

Die Schwefelsäureäther bilden dicke, stechend pfefferminzartig riechendeFlüssigkeiten, welche meist nicht ganz ohne Zersetzung destillierbar sind.In Alkohol und auch in Äther lösen sich dieselben leicht auf, wenig aberin Chloroform. Durch Wasser werden sie in Alkylschwefelsäuren und inAlkohol zerlegt.

Das Dimethylsulfat: (CH 3 ) ! S0 4 , welches zur Methyiierung organi-scher Verbindungen vielfach verwendet wird, entsteht durch Destillation derMethylschwefelsäure im Vakuum (s. S. 641). Letztere wird zu diesem Zweckedurch Einwirkung von SO 3 auf absoluten Methylalkohol unter 0° dargestellt(E. Merck). Das Dimethylsulfat siedet bei 188°; das Diäthylsulfat:(C 2 H b ) 2 S0 4 , bei 208°.

y) Die Äther der uiiterchlorigen Säure: CH 3 .0C1 und C ! H 5 .OCl,

bilden gelbe, explosible Flüssigkeiten von durchdringendem Chlorgeruche. Die-selben entstehen beim Vermischen der Alkohole mit starker wässeriger, unter-chloriger Säure oder beim Leiten von Chlor in ein gekühltes Gemisch desbetreffenden Alkohols mit Natronlauge (Sandmeyer).

§) Äther der salpetrigen Säure.

Die zusammengesetzten Äther der salpetrigen Säure, C n H 2n + 1 . 0 . NO,entstehen durch Einwirkung von Salpetrigsäureanhydrid: N s 0 3 , auf die be-treffenden Alkohole (Brugnatelli), z. B.:

2C 2 rT.OH + N 2 0 3 = 2C'H s .O.NO 4- H 2 0Äthylalkohol Salpetrigsäureäthyläther

oder durch Destillation des betreffenden Alkohols mit Kaliumnitrit, unter Zu-satz von verdünnter Schwefelsäure (Proust, Feldhaus, Witt). Im unreinenZustande werden die Salpetrigsäureäther auch gebildet bei der Destillationder Alkohole mit mäßig verdünnter Salpetersäure (siehe Spiritus nitrico-aethereus).

Isomer mit den Salpetrigsäureäthern der Formel C n H 2n + 1 . 0 . NO sinddie von V. Meyer entdeckten Nitroparaffine oder Nitroethane, Ver-bindungen, welche aufzufassen sind als Kohlenwasserstoffe der Sumpfgasreihe,in denen ein Atom Wasserstoff durch die Gruppe NO 2 die Nitrogr uppeersetzt ist. Beide Verbindungsarten enthalten die Gruppe NO 2 ; währendjedoch in den Salpetrigsäureäthern diese Gruppe durch ein Sauerstoff atoman Kohlenstoff gebunden ist, ist die Bindung derselben in den Nitroethanendurch das Stickstoffatom vermittelt, z. B.:

CH 3

ICH 2

CH 3

ICH 2

O.NO NO 2

Salpetrigsäure-Äthyläther Nitroäthan.

Die Nitroethane unterscheiden sich ferner von den isomeren Salpetrig-säureäthern durch den höheren Siedepunkt und besonders durch das Ver-halten gegen Kalilauge und gegen naszierenden Wasserstoff. Während dieSalpetrigsäureäther durch Kalilauge gespalten (verseift) werden in einenAlkohol und in salpetrige Säure, bezüglich deren Kaliumsalz, wird in denkohlenstoffärmeren Nitroethanen hierbei ein Atom Wasserstoff gegen Kaliumausgetauscht, z. B.: