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2. Organische Chemie 1. Abt. (1910) Organische Verbindungen mit offener Kohlenstoffkette
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199
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Einatomige Alkohole.

199

H H

\/

COH

IH

M ethylalkohol

oder Carbinol

CH 3 CH 3COH

OH 8

Tert. Butylalkoholoder Trimethylcarbinol

CH S C'H S

\/COH

ICH 3

Tert. Amylalkohol oder

Athyldimethylcarbinol.

Bei der Oxydation zerfallen die tertiären Alkohole, ohnevorherige Bildung von Aldehyden oder Ketonen, unter Auf-lösung ihres Kohlenstoffkernes direkt in Säuren von niedri-gerem Kohlenstoff gehalt.

So liefert z. B. der tertiäre Butylalkohol bei der Oxydation haupt-sächlich Essigsäure und Kohlensäure, neben kleinen Mengen von Ameisen-säure und Propionsäure.

Die Unterscheidung der drei Arten von einatomigen Alkoholen kann,außer durch das Studium ihrer Oxydationsprodukte, leicht auch in derWeise geschehen, daß man dieselben zunächst durch Einwirkung von Jodund Phosphor in Jodüre verwandelt (s. S. 161), diese (0,3 bis 0,5 g) mit derdoppelten Menge Silbernitrit destilliert, das Destillat mit einer Lösung vonKaliumnitrit in konzentrierter Kalilauge schüttelt und tropfenweise ver-dünnte Schwefelsäure zusetzt. Erhält man hierbei eine Rotfärbung (Nitrol-säurebildung), so liegt ein primärer Alkohol vor; entsteht hierbei eineBlaufärbung, so ist der geprüfte Alkohol ein sekundärer (Pseudonitrol-bildung); das Ausbleiben jeder Eärbung beweist dagegen, daß der fraglicheAlkohol ein tertiärer ist. Über die Einzelheiten dieser Beaktion sieheV. Meyer und J. Locher, Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft1874, S. 1510.

Primäre und sekundäre Alkohole liefern beim Kochen mit BaryumoxydBaryumalkoholate, die tertiären Alkohole dagegen nicht. Letztere gebenbeim Kochen mit Mercurisulfatlösung, unter Wasserabspaltung, gelbe oderrötliche Niederschläge von quecksilberhaltigen Alkylenverbindungen.

Bei der Einwirkung von Säuren werden die primären einatomigenAlkohole am leichtesten, die tertiären einatomigen Alkohole am schwierigstenin Ester verwandelt.

Durch Erhitzen mit wassereniziehenden Agenzien (H 2 S0 4 , ZnCl 2 )gehen die einatomigen Alkohole in Alkylene (s. S. 142), durch Ein-wirkung von Halogenwasserstoff oder Halogenphosphor in Halogen-alkyle (s. S. 161) über.

Sind die Kohlenstoffatome eines einatomigen Alkohols sämtlich ineinfacher, offener, sogenannter normaler Kette (s.S. 45) miteinanderverbunden, so bezeichnet man denselben als einen normalen Alkohol.Leitet sich dagegen ein einatomiger Alkohol von einem Kohlenwasser-stoff ab, welcher Seiten- oder Nebenketten (s. S. 45) enthält, so be-zeichnet man denselben als einen Pseudo- oder Isoalkohol, z.B.: