Qualitative Analyse organischer "Verbindungen. 5
Ermittelung der Zusammensetzung und der chemischen Natur einerorganischen Verbindung bedarf es vielmehr in den meisten Fällen einervollständigen quantitativen Bestimmung der Eiuzelbestandteile, ja nichtselten noch eines eingehenden Studiums ihrer Derivate oder ihrer Zer-setzungsprodukte. Die Methoden der Analyse organischer Stoffe weichenvon denen der Mineralsubatanzen mehrfach ab, man hat daher diequantitative Bestimmung, besonders des Kohlenstoffs, Wasserstoffs,Sauerstoffs und Stickstoffs in organischen Stoffen, als organischeElementaranalyse bezeichnet, da letztere es sich zur Aufgabe macht,die organischen Verbindungen' hierbei in diejenigen Elemente zu zer-legen, welche sie zusammensetzen, um letztere dann in geeigneter Formzur Wägung zu bringen. Auch bei der Ausführung organischer Ana-lysen hat jedoch, ebenso wie bei derjenigen der Mineralanalysen, derquantitativen Bestimmung stets eine genaue qualitative Ermittelung derEinzellrestandteile vorherzugehen.
Im nachstehenden sollen nur die allgemeinen Prinzipien, auf denensowohl die qualitative als auch die quantitative Analyse organischerVerbindungen basiert, eine kurze Erläuterung finden, ohne dabei aufdie Details der betreffenden Methoden, welche den Gegenstand dergrößeren Lehrbücher der analytischen Chemie bezüglich Aufgaben despraktischen Unterrichts im Laboratorium bilden, näher einzugehen.
1. Qualitative Analyse.
a) Prüfung auf Kohlenstoff. Der Kohlenstoffgehalt der meistenorganischen Verbindungen kennzeichnet sich zunächst dadurch, daß dieselbeninfolge des Gehaltes an diesem Elemente brennbar sind. Findet die Ver-brennung der organischen Verbindungen bei genügendem Zutritt von Sauer-stoff statt, so verbrennt aller Kohlenstoff zu Kohlensäureanhydrid.Mangelt es dagegen hierbei an Sauerstoff, oder ist die obwaltende Temperaturkeine genügend hohe, so ist die Verbrennung hur (eine unvollständige, undfindet infolgedessen eine Schwärzung durch ausgeschiedene Kohle statt.Letztere [Eigenschaft zeigen jedoch nur die nicht flüchtigen organischen Ver-bindungen, wogegen die flüchtigen oder die gasförmigen [organischen Stoffebeim einfachen Erhitzen keine; Schwärzung erleiden. Bei letzteren Verbin-dungen läßt sich meist eine Abscheidung der Kohle herbeiführen, wennman dieselben durch ein glühendes Kohr leitet oder sie in geschlossenenGefäßen auf hohe Temperaturen erhitzt.
Mischt man organische Verbindungen mit der 20 fachen Menge Kupfer-oxyd oder mit anderen Substanzen, welche leicht Sauerstoff abgeben (Queck-silberoxyd, Bleichromat), und erhitzt das Gemenge in einem Glasrohr zumschwachen Glühen, so entwickelt sich infolge der Oxydation des KohlenstoffsKohlensäureanhydrid, welches leicht als solches durch Einleiten in Kalk-oder Barytwasser erkannt werden |kann (vgl. I. anorgan. Teil, S. 483). Dergleiche Vorgang vollzieht sich, wenn die Dämpfe einer organischen Verbin-dung über schwach glühendes Kupferoxyd geleitet werden.
b) Prüfung auf Wasserstoff. "Der "Wasserstoff gehalt der organischenVerbindungen gibt sich stets dadurch zu erkennen, daß dieselben im voll-kommen trockenen Zustande, beim schwachen Glühen mit trockenem