Ortho-Jodoso- und Jodo-Benzoesäure.
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Von grossem Interesse ist die Ortho-Jodosobenzoesäure x C r H 5 J0 3einerseits, weil in ihr zuerst ein „Jodoso"-Körper (vgl. S. 126) aufge-funden wurde, andererseits, weil sie aus der Orthojodbenzoesäurenicht nur durch Verwandlung in das Jodidchlorid und Zersetzung des-selben mit Alkali, sondern auch — und zwar weit bequemer — durchdirecte Oxydation mittelst rauchender Salpetersäure oder kochendersaurer Kaliumpermanganatlösung entsteht. Sie krystallisirt aus Wasserin atlasglänzenden Blättchen, schmilzt oberhalb 200° unter Zersetzungohne Geräusch, ist in kaltem Wasser und Aether äusserst schwer lös-lich, scheidet aus Jodkalium Jod, aus Salzsäure in der Wärme Chlorab und geht dabei in o-Jodbenzoesäure über und wird in ammo-niakalischer Lösung von Zinkstaub zu Benzoesäure reducirt. Ihre Säure-natur ist nur schwach ausgeprägt; zwar löst sie sich in Alkalien undSoda mit intensiv gelber Farbe, wird aber aus der Lösung des Barium-salzes durch Kohlensäure vollständig ausgefällt und zeigt eine elektro-lytische Dissociationsconstante, welche viel kleiner als diejenige derschwächsten Carbonsäuren ist. Es erscheint daher neben der amnächsten liegenden Formel I, bei deren Annahme die schwach saureNatur durch die basischen Eigenschaften der Jodosogruppe —JO (vgl.S. 127) zu erklären wäre, auch die Formel II sehr möglich, nachwelcher die o-Jodosobenzoesäure eine Carboxylgruppe überhaupt nichtmehr enthalten würde:
I. C 6 H 4 <
/CO -OH\JO
/ C0 \IL C 6 H 4 < >0 .
\OH
Das Silbersalz bildet einen gelben, nach dem Trocknen äusserst ex-plosiven Niederschlag. Auch mit Salzsäure und Salpetersäure bildetJodosobenzoesäure Verbindungen. Durch Erwärmen mit Essigsäure-anhydrid liefert sie ein Acetylderivat (Schmelzpunkt 166—167°).
Behandelt man die o-Jodosobenzoesäure mit warmer alkalischerPermanganatlösung, so wird ein Theil zur o-Jodbenzoesäure reducirt,ein anderer Theil zur o-Jodobenzofsäure 2 C 6 H 4 (J0 2 )(C0 2 rI) oxydirt.Letztere Säure wird bequemer durch Einwirkung von Chlor auf diealkalische Lösung der o-Jodosobenzoesäure erhalten, bildet weisse bishellgelbe Nadeln, zersetzt sich bei 233° unter Explosion mit scharfemKnall, wird bei monatelangem Aufbewahren partiell zersetzt, zeigt imGegensatz zur Jodososäure stark saure Eigenschaften und wird durch
1 V. Meter u. Wächter, Ber. 25, 2632 (1892) — Askenasy u. V. Meyer,Ber. 26, 1357 (1893). — Hartmann u. V. Meyer, Ber. 26, 1730 (1893). — V. Meyer,ebenda, 2119. — Gümbel, ebenda, 2473. — Farbwerke Höchst a./M., Ber. 26 Hef..628, 732 (1893); 27 Ref., 55 (1894). — Willgerodt, J. pr. [2] 49, 466 (1894). —Patterson, Journ. Soc. 69, 1007 (1896).
a Hartmann u. V. Meyer, Ber. 26, 1727 (1893); 27, 1600 (1894).