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Vanillin.
Das Vanillin wurde zuerst von Carles eingehend charakterisirt.Tiemann u. Haaemann lehrten in Untersuchungen, die 1874 ihren An-fang nahmen, seine Beziehungen zu anderen natürlichen Produktenkennen und klärten seine Constitution auf; auch seine synthetischeBildung gelang zuerst Tiemann im Verein mit Reimer und Koppe.Diese Untersuchungen haben dazu geführt, das Vanillin fabrikmässigaus anderen Quellen, als aus der Vanille, herzustellen 1 .
Das Vanillin ist nämlich durch seine Constitution mit dem Coniferyl-alkohol (S. 469) und dem Eugenol (S. 433—435) nahe verknüpft:
OH-<
>-CHO
CH,
v~
Vanillin
OH-
CH,-0
-CH:CrICH 2 (OH)
Coniferylalkohol
OH
Y
-CH 2 CH:CH 2
CH..0
/
Eusrenol
und entsteht bei der Oxydation dieser beiden Verbindungen unterpassenden Bedingungen. Zur technischen Darstellung ging man an-fänglich vom Coniferin — dem Grlucosid, welches durch Spaltung Coni-ferylalkohol liefert (vgl. S. 469) — aus; in den letzten Jahren indessbenutzt man hauptsächlich das Eugenol als Ausgangsmaterial, das zu-nächst in einen Ester des Isoeugenols verwandelt (vgl. S. 431, 435), dannoxydirt wird. Das so gewonnene „künstliche", wenn auch nicht „syn-thetische" Vanillin hat die natürliche Vanille für Parfümeriezweckevollständig, für das Würzen von Speisen theilweise — namentlich inder Herstellung von Conditoreiwäaren 2 — verdrängt. Bei seiner Dar-stellung ist besonders schwierig die Abspaltung der letzten Verun-reinigungen, die zur Erzielung eines „würzenreinen" Präparats durchausnothwendig ist. Obgleich es zu sehr hohem Preise — ca. 500 Markpro Kilo —• verkauft wird, erhält man in ihm das Vanillearoma immernoch sehr erheblich billiger, als in der natürlichen Vanille.
Synthetisch ist das Vanillin aus Guajacol durch die Reimer-TiEMANN'sche Reaction, aus Protocatechualdehyd durch partielle Methy-lirung, ferner aus Benzaldehyd auf weitem Umweg durch zahlreicheZwischenstufen gewonnen worden. Diese Synthesen — praktisch einst-
1 Die Patent-Litteratur vgl. in Friedländeb's Fortschritten der Theerfarben-fabrikation 1877—1887 (Berlin), S. 583—590; 1890—1894, S. 894 — 900. Vgl.dazu: Ulrich, Ber. 18, 2572 (1885). — Tiemann, Ber. 22, 2343 (1889); 24, 699(1891). — Rieche, Ber. 22, 2356 (1889). — Neuere Patente vgl. Ber. 27 Ref., 928(1894); 28 Ref., 524, 581, 671, 878 (1895). Cham. Centralbl. 1896 II, 222.— EineZusammenstellung vgl. bei Amschül, Pharm. Centralh. 36, 721 (1895).
2 Vorschriften vgl. in Schimmel's Bericht vom April 1893, S. 72.