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2. Cyclische Verbindungen - Naturstoffe 1 (1923) Einkernige isocyclische Verbindungen
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Vanillin.

Das Vanillin wurde zuerst von Carles eingehend charakterisirt.Tiemann u. Haaemann lehrten in Untersuchungen, die 1874 ihren An-fang nahmen, seine Beziehungen zu anderen natürlichen Produktenkennen und klärten seine Constitution auf; auch seine synthetischeBildung gelang zuerst Tiemann im Verein mit Reimer und Koppe.Diese Untersuchungen haben dazu geführt, das Vanillin fabrikmässigaus anderen Quellen, als aus der Vanille, herzustellen 1 .

Das Vanillin ist nämlich durch seine Constitution mit dem Coniferyl-alkohol (S. 469) und dem Eugenol (S. 433435) nahe verknüpft:

OH-<

>-CHO

CH,

v~

Vanillin

OH-

CH,-0

-CH:CrICH 2 (OH)

Coniferylalkohol

OH

Y

-CH 2 CH:CH 2

CH..0

/

Eusrenol

und entsteht bei der Oxydation dieser beiden Verbindungen unterpassenden Bedingungen. Zur technischen Darstellung ging man an-fänglich vom Coniferin dem Grlucosid, welches durch Spaltung Coni-ferylalkohol liefert (vgl. S. 469) aus; in den letzten Jahren indessbenutzt man hauptsächlich das Eugenol als Ausgangsmaterial, das zu-nächst in einen Ester des Isoeugenols verwandelt (vgl. S. 431, 435), dannoxydirt wird. Das so gewonnenekünstliche", wenn auch nichtsyn-thetische" Vanillin hat die natürliche Vanille für Parfümeriezweckevollständig, für das Würzen von Speisen theilweise namentlich inder Herstellung von Conditoreiwäaren 2 verdrängt. Bei seiner Dar-stellung ist besonders schwierig die Abspaltung der letzten Verun-reinigungen, die zur Erzielung eineswürzenreinen" Präparats durchausnothwendig ist. Obgleich es zu sehr hohem Preise ca. 500 Markpro Kilo verkauft wird, erhält man in ihm das Vanillearoma immernoch sehr erheblich billiger, als in der natürlichen Vanille.

Synthetisch ist das Vanillin aus Guajacol durch die Reimer-TiEMANN'sche Reaction, aus Protocatechualdehyd durch partielle Methy-lirung, ferner aus Benzaldehyd auf weitem Umweg durch zahlreicheZwischenstufen gewonnen worden. Diese Synthesen praktisch einst-

1 Die Patent-Litteratur vgl. in Friedländeb's Fortschritten der Theerfarben-fabrikation 18771887 (Berlin), S. 583590; 18901894, S. 894 900. Vgl.dazu: Ulrich, Ber. 18, 2572 (1885). Tiemann, Ber. 22, 2343 (1889); 24, 699(1891). Rieche, Ber. 22, 2356 (1889). Neuere Patente vgl. Ber. 27 Ref., 928(1894); 28 Ref., 524, 581, 671, 878 (1895). Cham. Centralbl. 1896 II, 222. EineZusammenstellung vgl. bei Amschül, Pharm. Centralh. 36, 721 (1895).

2 Vorschriften vgl. in Schimmel's Bericht vom April 1893, S. 72.