Phenylhydroxylamin.
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Diese Vermuthung ist zur Gewissheit geworden, seitdem Untersuchungen,welche Wohl und Bambergeh unabhängig von einander ausführten, dieIsolirung des Phenylhydroxylamins auf überraschend einfachem Wegekennen gelehrt haben.
Phenylhydroxylamin 1 C 6 fL-NH(OH) erhält man nämlich in reich-licher Ausbeute, wenn man Nitrobenzol, das mit heissem Wasser über-gössen oder in heissem verdünnten Alkohol gelöst ist, mit Zinkstaubreducirt, wobei die Gegenwart von Chlorcalcium oder ähnlichen Salzenden Process erheblich fördert. Diese höchst interessante Bildungsweisezeigt uns die Entstehung des Hydroxylaminrestes —NH(OH) durchReduction der aromatischen gebundenen Nitrogruppe —N0 2 , währendeinige Zeit vorher E. Rofemann u. V. Meyer 2 den Nachweis erbrachthatten, dass bei der Reduction der aliphatischen Nitrokörper zu Aminendie Alkylhydroxylamine als Zwischenprodukte auftreten:
R-NO.
E-NH(OH)
E-NH,.
Phenylhydroxylamin bildet farblose, seidenglänzende Nadeln, schmilztbei 81° und löst sich sehr leicht in Alkohol, Aether, heissem Benzol,schwer in kaltem Ligrom, in etwa 10 Thln. heissem, etwa 50 Thln.kaltem Wasser. Es reducirt ammoniakalische Silberlösung und Fehling'-sche Lösung schon in der Kälte und wird in wässeriger Lösung durch denLuftsauerstoff rasch zu Azoxybenzol oxydirt; stärkere Oxydationsmittelfuhren es in Xitrosobenzol über (vgl. S. 146—147). Beim Kochen mitWasser verflüchtigt es sich zum Theil unzersetzt, wird aber zum grossenTheil unter Bildung von Nitrosobenzol, Azobenzol. Azoxybenzol undanderen Substanzen zersetzt. Ausserordentlich empfindlich ist es gegenAlkalien — selbst sehr verdünnte —, welche aus seiner wässerigen Lösungzunächst Nitrobenzol, später Azoxybenzol abscheiden. Gegenüber Säurenerweist es sich als ausgesprochene Base, wird aber durch Erwärmen mitMineralsäuren zu Paraamidophenol umgelagert (vgl. S. 244). Durch sal-petrige Säure wird es in Phenyl-nitrosohydroxylaniin C e H 6 -N(NO)-OH— farblose, bei 59° schmelzende Nadeln — übergeführt; letzteres redu-cirt FEHLiNö'sche Lösung auch beim Kochen nicht, wird von wässerigenMineralsäuren sehr leicht unter Bildung von Nitrosobenzol und anderenSubstanzen verändert, ist dagegen gegen Alkalien sehr beständig undfungirt gegenüber denselben als sehr starke Säure, deren Alkalisalzeneutral reagiren und von Kohlensäure nicht zersetzt werden.
Länger bekannt sind die den Alkylhydroxylaminen (vgl. Bd. I,S. 249—250) ähnlichen Verbindungen, welche sich von aromatischenKohlenwasserstoffen derart ableiten, dass die Seitenkette zum Träger
1 Bamberger, Ber. 27, 1347, 1548 (1894).
2 Ber. 24, 3528 (1891).
Wohl, ebenda, 1432.