Reduclion von Nitrugruppen zu Amidgrvppen.
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Zinin 1 war der Erste, dem die Eeduction der Nitrogruppe zurAmidogruppe gelang; er bediente sich des Schwefelammoniums inalkoholischer Lösung:
C 6 1I 5 -N0, + 3H 2 S = C 6 1I 5 -N1I 2 + 2H,0 + 3S.
Man führt diese Methode in der Eegel derart aus, dass man in einemit Ammoniak versetzte alkoholische Lösung des Nitrokörpers Schwefel-wasserstoff einleitet (vgl. d. Vorschrift zur Darstellung von Metanitranilin,S. 217); für die Darstellung des Anilins und anderer einfacher aro-matischer Amine wird sie indess heute kaum mehr benutzt; dagegenverwendet man sie noch für die Reduction von Polynitroverbindungen,wenn es sich darum handelt, die Nitrogruppen nur theilweise zu redli-chen, theilweise aber unverändert zu lassen (vgl. S. 215); so kannman sehr bequem aus Metadinitrobenzol C 6 H 4 (NOjj) 2 das MetanitranilinC (i H 4 (N0 2 XNH 2 ) darstellen.
Die Industrie 2 hat sich einer von Bkchamp 3 aufgefundenen Reduc-tionsmethode bemächtigt, welche in der Anwendung von feinvertheiltemEisen (Eisenfeile, gemahlenen Gussspähnen) in Gegenwart einerSäure auf Nitroverbindungen beruht; Bkchamp benutzte Essigsäure,in der Technik verwendet man die billigere Salzsäure. Der Frocesskann für das Beispiel des Nitrobenzols durch die Gleichung:
C 6 H 5 -N0 2 + 3 Fe + 6 HCl = C 6 H 6 -NH 2 + 2H 2 0 + 3FeCl 2
ausgedrückt werden; allein man braucht eine viel geringere Säuremenge,als dieser Gleichung entspricht; es erklärt sich dies wahrscheinlich da-durch, dass bei Gegenwart eines Chlorids — in diesem Falle des anfangsgebildeten Eisenchlorürs — Nitrobenzol von fein vertheiltem Eisen undWasser leicht und glatt entsprechend der Gleichung:
C 6 H 6 -N0 2 + 2 Fe + 4H 2 0 = C 6 H 5 -NH 2 + 2Pe(OH) 3
reducirt wird 4 .
Technische Darstellung von Anilin 5 : In gusseisenre Cylinder, welchemit Rührwerk, Einfüllöffhungen und einem Rückflusskühler versehen sind, bringtman gemahlene Gusseisenspähne und verdünnte Salzsäure und lässt darauf das Nitro-benzol zufliessen; man leitet die Reaction durch Erwärmen mit Dampf ein undunterhält sie durch allmählichen Zusatz von Eisenspähnen. Nach Beendigung derReaction neutralisirt man mit Kalk und treibt das Anilin mit Wasserdampf ab; dasübergehende Destillat besteht aus ölig abgeschiedenem Anilin und einer wässerigenAnilinlösung; es wird durch Absitzen getrennt; das Anilin wird durch Destillationaus eisernen Blasen gereinigt, das „Anilinwasser" wieder zum Speisen der Kessel,welche den zum Abtreiben des Anilins dienenden Wasserdampf liefern, benutzt.
1 Ann. 44, 286 (1842).
• Vgl. Caeo, Ber. 25, 988 (1892). 3 Ann. eh. [3] 42, 186 (1854).
* Wohl, Ber. 27, 1436, 1815 (1894).
5 Näheres vgl. in Schultz' Chemie des Steinkohlentheers Bd. I (Braunschweig1886), S. 291. — Harmsen, Die Fabrikation d. Theerfarbstoffe u. ihrer Rohmaterialien(Berlin 1889), S. 59 ff.