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Tkeer aus Gokereien.
Mangel an dem notwendigen Rohmaterial eintreten könnte, zumal dieeinstweilen freilich noch durchaus grundlose Befürchtung, dass das elek-trische Licht die Produktion an Steinkohlengas allmählich verringerndürfte, später vielleicht sich als berechtigt erweisen könnte. In Bezugauf diese Frage sei darauf hingewiesen, dass noch grössere MengenSteinkohle, als in den Leuchtgasfabriken verbraucht werden, in denCokereien behufs Gewinnung von festen Cokes für metallurgische Zweckder trockenen Destillation unterworfen werden; während man nun bisherdie aus den Cokesöfen entweichenden Dämpfe und Gase stets verbrennenHess, hat man in letzter Zeit sich vielfach mit dem Problem beschäftigt,Cokesöfen zu construiren, welche neben der Gewinnung von guten Cokesauch die Erzeugung eines werthvollen Theers, die Condensation vonAmmoniakwasser und die Abscheidung von Benzol aus den Cokereigasengestatten. Das Problem kann heute als gelöst gelten. Trotzdem sindfreilich zur Zeit erst etwa 10°/ 0 der gesammten Cokesöfen Deutschlandsmit Apparaten zur Gewinnung der Nebenprodukte — meist nur vonTheer und Ammoniakwasser — versehen. Man würde schneller dazuübergehen, wenn diese Apparate nicht so kostspielig wären, und derBetrieb derselben nicht ein etwas besser geschultes Arbeiterpersonalvoraussetzte, als es für die alten Oefen erforderlich ist. Mehr nochmögen die sich immer ungünstiger gestaltenden Verhältnisse auf demTheerproduktemnarkt verzögernd gewirkt haben. Nichtsdestowenigerkann nicht bezweifelt werden, dass die deutsche Theerfarbenindustriein nicht sehr fernliegender Zeit für den Bezug von Theerprodukten vomAusland unabhängig .sein wird. da eine stete Zunahme der inlän-dischen Produktion ausser Frage steht. Auch sei erwähnt, dass mandurch Versuche die Möglichkeit nachgewiesen hat, durch Ueberhitzungvon Braunkohlentheerölen oder kaukasischen Petroleumrückständen (vgl.S. 94—95) die aromatischen Kohlenwasserstoffe des Steinkohlentheerszu gewinnen.
Die Bestandtheile des Steinkohlentheers.
Der Steinkohlentheer — eine schmierige Flüssigkeit vom spec. Gew.1-1—1-3, deren schwarze Farbe von feinvertheiltem Kohlenstoff (10°/ 0bis 30°/ 0 des Theers) herrührt, — ist ein Gemisch von ausserordentlichvielen einzelnen Verbindungen. Eine sehr grosse Zahl einzelner Stoffehat man daraus bereits isolirt, sicherlich aber längst noch nicht dengrösseren Theil der vorhandenen Bestandtheile.
Ihrem chemischen Charakter nach kann man die Bestandtheileunterscheiden als indifferente, saure und basische. Durch Aus-schütteln mit verdünnten Alkalien kann man die sauren, durch Aus-schütteln mit verdünnten Säuren die basischen Componenten in Lösungbringen, während die indifferenten zurückbleiben — ein Verfahren, wel-ches allgemein bei der weiteren Verarbeitung der Theerfractionen be-nutzt wird.