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Säcken gepackt, auf Kamehlen entweder nach Kanton (Kan-tschu-fu), wo solche dann durch die Engländer oderHolländer aufgekauft, nach Europa zu Schiffe gebracht wird, oder aber nach der sibirischen Gränzsladt Kiachta, wo-hin die erwähnte bucharische Compagnie nach einem schon lange bestehenden Contracte mit der russischen Regierunggehalten ist, eine bestimmte Quantität jährlich zu bringen, und an einen, dort von der Krone für den Empfang, dieReinigung, und die Besorgung des weitern Vcrsendens angestellten Apotheker zu überliefern. Dieser Apotheker mussdie Rhabarberwurzel vor dem Empfang genau untersuchen, und die Stücke, welche nicht alle Eigenschaften derbesten Rhabarber haben, werden nicht angenommen, wesswe^en auch die über Russland kommende Rhabarber diebeste ist. Ehe die übernommene Rhabarber zum Versenden nach Moskau und von da nach Petersburg in Kistengepackt wird, wird dieselbe nochmahl in Kiachta, gereinigt. Aus dem Vorhergehenden ist es ersichtlich, warum dieüber England oder Holland kommende Rhabarber bey weitem nicht so rein und gut ist, als die russische.
Die Wurzel soll zweymahl im Jahre ausgegraben werden, nähmlich im Frühjahr und im Herbst, und zwardurchaus von wildwachsenden 5 bis 8jährigen Pflanzen, welches an der Stärke des Stängels erkannt wird. Wenndie Wurzel ausgegraben ist, wird sie auf der Stelle von der Erde und Rinde gereinigt, auf Fäden gezogen und unteraufgespannten Decken getrocknet, so dass die Sonne die Wurzeln nicht bescheinen kann, aber die Luft doch freydurchzieht. Nach einigen Nachrichten wird sie auch an den Bäumen, und an den Hörnern der Schafe aufgehan-gen und so getrocknet. Wenn die Ernte zu Ende ist, werden die Wurzeln in die Wohnungen gebracht, wo sievollends durch künstliche Wärme (nach Duhalde über Steinplatten, die von unten durch Feuer erhitzt werden)getrocknet. Wenn die Rhabarber an Ort und Stelle getrocknet ist, so bringen die Sining'schen Bucharen dieselbenach ihrer Hauptstadt, wo sie noch einmahl gereinigt, gelüftet, in kleinere Stücke zerschnitten, in der Mitte durch-bohrt und sortirt wird. Das Durchbohren geschieht bloss aus dem Grunde, um die Stücke innerlich untersuchenund dadurch die guten von den schlechtem sortiren zu können. Die mit keinen Löchern versehene Rhabarber,welche über England kommt, ist gewöhnlich schon äusserlich nicht von dem schönsten Ansehen.
Im Handel unterscheidet man mehrere Rhabarbersorten, aber vorzüglich sind es zwey Sorten, die sich auffal-lend von einander unterscheiden: Die erste Sorte ist die sogenannte chinesische oder russische, oder moscovitischeoder bucharische oder thihetanische oder türkische Rhabarber, Radix Rhei si/dcij s. chinensiSj, s. russicij, s. mosco-vilicij s. bucharicij s. thibetanij s. turcicij welche wir über Russland erhalten. Chinesische Rhabarber wird sie ge-nannt, weil sie durch chinesische Unterthanen über China gebracht wird, bucharische, weil diese chinesischen Un-terthanen Tartaren sind, die sie nach Russland bringen; russische oder moscovitische, weil sie über Russland kommtund gewöhnlich von Moskau aus versendet wird; türkische, weil sie früher häufig über Türkisch - Asien zu unsversendet wurde; thibetanische, weil ihr eigentliches Vaterland Thibet ist, welcher Nähme daher auch der pas-sendste ist. Diese Sorte Rhabarber ist die beste, weil sie sehr sorgfältig an der russischen Glänze untersucht wird.Man erhält sie in vieleckigen, etwas länglichrunden oder flachen, platten, fast handgrossen, 1 —4 Zoll dicken,oder in pfcrdehufähnlichen, mit ^ Zoll weiten Bohrlöchern versehenen Stücken. Zuweilen sind die Stücke soausgehöhlt, dass sie fast wie eine Rinde aussehen. Von aussen ist sie röthlichgelb, gewöhnlich wie mit einem gel-ben Pulver bestäubt; von dem Staube befreyt ist sie bräunlichröthlich, gelb und weiss marmorirt; auf dem Brucheist sie hellroth, gelb und weiss marmorirt, worin sternförmige Schattirungen bemerkbar sind; der Anschnitt iströthlichgelb, wodurch das marmorartige Ansehen zum Theil verloren gehet. Ihr Gewebe lässt sich leicht zwischenden Fingern zerbröckeln; unter den Zähnen knirrscht sie und färbt den Speichel gelb. Das Pulver ist sattgelb insRöthliche spielend. Der Geschmack ist ekelhaft bitter, zusammenziehend, eigenlhümlich, der Geruch eigenlhüm-lich, widrig, stark, und verursacht bey vielen Menschen Ueblichkeiten. Die Löcher rühren zum Theil davon her,dass die verdorbene Substanz der vorhin des Aufhängens wegen gemachten Löcher weggeschnitten wird, zum TheilWerden sie in Russland gebohrt, um die innere Substanz der Stücke zu prüfen.
Die zweyte Sorte ist jene, welche die Engländer, Holländer und Dänen aus Canton in China im Handel brin-gen, und die man gewöhnlich ostindische, englische, auch wohl holländische oder dänische Rhabarber, Radix Rheiostindici s. anglici_, s. hollandicij s. danicij nennt. Diese ist gewöhnlich von verschiedener Qualität, schlechtere undbessere durcheinander gemischt; oft in der Güte der russischen nichts nachgebend, meistens aber matler, schwerer,dichter und derber. Die schlechtere Gattung, (wovon die Abbildungen d) und e) und der Durchschnitt f) ist hell-farbig, die rothen Streifen matt und licht, die gelben cilronenfarbig. Diese scheint von einer anderen Rheumärt zukommen, worüber in Nr. 200 ausführlicher die Rede seyn wird. Die ostindische Rhabarber sowohl die bessere als auchdie mindere Gattung kommt gewöhnlich in 3— 4 Zoll langen und einige Zoll dicken Stücken vor, die bald walzenför-mig, bald auf einer Seite erhaben, auf der anderen glatt, oder wie zusammengedrückt und gepresst, auf beyden Sei-ten flach, mit keinen oder nur kleinen Löchern versehen sind, worin sich oft noch der Spagalh findet, welcher zumAufhängen gedient hat. Aeusserlich ist die geringere Gattung nicht so schön dunkelgelb wie die russische, sondernmehr citronengelb, beym Wegwischen des Staubes weniger marmorirt; innerlich ist die Marmorirung blässer undmatter, der Anschnitt ist licht-citronengelb, das Pulver ist ebenfalls hellgelb. Oft wird diese Rhabarber um ihr äus-serlich das schöne Ansehen der russischen zu geben mit Curcumepulver bestaubt, wesswegen man beym Einkaufenden Staub wegwischen, und die Stücke aufschlagen muss, denn häufig geschieht es, dass die äusserlich gut aussehen-den Stücke innerlich feucht, dunkelgrün, oder schwarzgefleckt, oft von Insecten durchbohrt sind.
Die Kennzeichen einer recht guten Rhabarber sind folgende: Sie muss trocken, massig schwer, äusserlichschöngelb, röthlich-marmorirt, von einem einiger Massen schwammigen, doch dabey auch festen, nur nicht ganzhartem Gewebe seyn. Auf dem ungleichen frischen Bruch muss sie eine gelbbräunliche, weiss marmorirte mitlebhaften rothen Adern und Flecken bezeichnete Oberfläche haben, auf dem Anschnitt muss sie schön sattgelbseyn. Sie muss sich leicht pulvern lassen, und das Pulver muss eine sattgelbe ins Rölhliche spielende Farbe ha-