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2 (1829)
Entstehung
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Das Stärkemehl, Amjlum, hat folgende Eigenschaften: es ist ein feines, schneeweisses, geschmack - undgeruchloses Pulver, zeigt unter dem Mikroskope ein körniges, einigermassen krystallinisches Gefüge, und knirschtunter den Fingern. Im kalten Wasser löst sich das Stärkemehl nicht auf, mit kochendem Wasser aher verbindetes sich zu einem dicken Breye, und hat dann einen schwachen eigenthümlichen Geruch; wird dieser so entstan-dene Brey ausgetrocknet, so bleibt eine spröde, hornartige Substanz zurück. DerAlcohoI, Aether, die ätherische 11und fetten Oehle zeigen selbst in der Wärme keine Wirkung auf die Stärke. Die ätzenden Alkalien lösen dieStärke auf, und bilden damit eine Art von gallertartiger Seife, die im Alcohol auflöslich ist. Wenn feuchte Stärkemit Jod gerieben wird, so erscheint sie bey etwas grösserem Verhältniss von Jod, dunkelblau, bey geringeremJodverhältnisse lichtblau, bey noch geringerem violett. Diese Färbung ist so eigenthümlich, dass sich beyde Stoiiegegenseitig als Beagentien dienen. Einige Tropfen Jodtinctur geben nähmlich die geringste Menge Stärkemehl ZLlerkennen, und wenn eine Flüssigkeit, die ein hydrojodsaures Salz aufgelöst enthält, mit wenig Stärkeauflösungvermischt, und derselben etwas Salz- oder Salpetersäure zugesetzt wird, so entdeckt man darin die geringste Spur Jod-

Das Stärkemehl ist nicht bloss in dem Waitzen enthalten, sondern es macht den Bestandtheil vieler Pflan-zen aus; vorzüglich findet man es in den Samen der Gräser, besonders der Getreidearten, in vielen knollig el1Wurzeln, z. B. in den Kartoffeln, in den Wurzeln der Zeitlose, der Bryonie u. s. w., im Stamme vieler Palmenu. a. m. Das aus dem Samen der Getreidearten, und vorzüglich desWaitzens bereitete Stärkemehl ist unter allendas reinste.

Das Waitzen - Stärkemehl wird auf folgende Art bereitet: der mit Wasser gut abgewaschene W al 'tzen wird in reinem Wasser eingeweicht, bis nach Q oder 8 Tagen die Körner sich zwischen den Fingern leich 1zerdrücken lassen. Der so aufgeweichte Waitzen wird in leinene Säcke gefüllt, und unter Wasser gut ausgetreten,oder zwischen Walzen, oder in einer Presse zerquetscht und ausgepresst. Das aus dem milchigen Wasser zu B°"den gefallene Stärkemehl wird öfters mit reinem Wasser gewaschen und dann getrocknet. Vortheilhafter wird dieStärke mit Hülfe der Gährung bereitet. Zu diesem Zwecke wird der gut gewaschene Waitzen geschrotet, inWas-ser eingeweicht und zur schnelleren Einleitung der Gährung ein Ferment, wozu man Sauerteig, oder die saureFlüssigkeit von den vorhergegangenen Operationen nehmen kann, zugesetzt. Wenn die Gährung vollendet ist,welches nach Verschiedenheit der Temperatur in 8 bis 20 Tagen erfolgt, und was man an dem Setzen derMasseund an dem Klarwerden der Flüssigkeit erkennt, so lässt man die saure Flüssigkeit ab, und presst sie unter Ot-ters erneuertem Zugiessen von Wasser so lange aus, bis das letzte nicht mehr milchig abläuft. Das aus der Stärk'milch abgesetzte Stärkmehl wird mit reinem Wasser einigemahl gewaschen, und nachdem es sich in dem letztenWaschwasser ruhig zu Boden gesetzt hat, und das Wasser abgelassen worden ist, wird es von der obersten,schleimigen, kleyehaltigen Schicht gereinigt, die übrige Stärke in mit Leinwand überzogene Körbe zum Abtropfe 11gegeben, nach einigem übertrocknen in Stücke zertheilt, dann auf Leinwand an einem luftigen Orte getrocknet-

In der Medicin wird das Waitzen - Stärkemehl gebraucht.

Der Waitzen übertrifft an nährenden Bestandteilen fast alle Getreidearten, daher wird er auch sehr h atl "fig gebaut, und wird zum Brote, zu Mehlspeisen, zur Stärke-Fabrication, Erzeugung des Weissbiers, des Brannt-weins u. s. w., verwendet.

Chemische Bemerkung. Nach Vogel (Trommsd. n. J. St. 1. S. 499) besteht der Waitzen in 100 Theilen, aus-68 Th. Stärkmehl; 24 Kleber; 4,20 Zuckersubstanz; 1,50 Pflanzeneyweissstoff. Nach einer andern Analyse bestendas Waitzenmehl in 500 Tb., aus: 61 Th. Extractivzucker; 91 Kleber; 14 Ey weiss; 290 Stärke; 11 Schleim.

Indessen ist das quantitative Verhältniss dieser Bestandteile nicht bey jedem Waitzen gleich, indem hierandas Clima, das Erdreich, die Lage u. s. w. einen sehr grossen Einfluss ausüben. In der Begel ist der Waitzen der süd-licheren Gegenden mehr Kleberhältig, und daher mehr geschätzt; dagegen enthält der Waitzen, der in nördlich 0 'ren Gegenden wächst eine grössere Menge des Stärkemehls.

Die Waitzenstärke besteht in 100 Th. nach Gaj-Lussac und Thenardj aus: 43,55 Kohlenstoff; 6,77 Wasser-stoff; 49,68 Sauerstoff.

Erklärung der Tafel 159*

a) Die ganze Pflanze.

b) Eine blühende Aehre.

c) Eine Kelchspelze stark vergrössert.

d) Das mittlere Aehrchen stark vergrössert.

e) Die zwey wimperigen Schuppen, welche den Fruchtknoten umgeben, vergrössert.

f) Der vergrösserte Slämpel.

g) Der Same in natürlicher Grösse.