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2. Cyclische Verbindungen - Naturstoffe 3 (1920) Heterocyclische Verbindungen
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1495
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Lauth sches Violett.

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Verbindungen, welche als Farbstoffe Verwendung finden (vgl. dazu Phen-azon S. 1400 und Phenoxazim S. 1475). Bezüglich der Valenzverteilungliegen die Verhältnisse hier ganz analog, wie in der Phenazin- und derPhenoxazin-Keihe (vgl. S. 1404, 1474). Nachdem man durch einen langenZeitraum die orthochinoide Auffassung als „Thioniumverbindungen" be-vorzugt hatte, ist man in den letzten Jahren dazu zurückgekehrt, dieErscheinungen unter dem Gesichtspunkt der Desmotropie zu deuten.Maßgeblich war hierfür die Verfolgung der optischen Eigenschaften inspektroskopischen Untersuchungen, die für die Thiazin-Reihe zuerst vonPummerer, Eckert und Gassner 1 in Angriff genommen, dann von Kehr-mann 2 und seinen Mitarbeitern weitergeführt wurden. Die Verbindungen,die — wie das Phenthiazim — in Para-Stellung zum Ring-Stickstoffeinen Ammoniakrest enthalten, sind danach in freiem Zustand und inihren einsäurigen Salzen parachinoid zu formulieren, während für diehöchstsäurigen Salze — also für Lösungen in sehr konzentrierten starkenSäuren — orthochinoide Formulierung mit vierwertigem Schwefel inBetracht kommt.

Als einfachster und längstbekannter Vertreter der Thiazin-Farbstoffeist das Lauth sehe Violett 3 aufzuführen, das vouBernthsen als 7-Amino-phenthiazim (Formel XII, s. u.) erkannt und mit dem kurzen NamenThionin belegt worden ist. Lauth entdeckte 1876 diesen Farbstoff,indem er ^-Phenylen-diamin mit Schwefel erhitzte und die salzsaure

XII)

HN

XIII)

C1(CH 3 ) 2 N=

N

-N(CH,),

Lösung des so erhaltenen Produkts mit Eisenchlorid oxydierte. Er be-richtete zugleich, daß derselbe Farbstoff entsteht, wenn man Schwefel-wasserstoff in die mit Salzsäure angesäuerte jj-Phenylen-diamin-Lösungeinleitet und allmählich Eisenchlorid zugibt. Hat es der Farbstoff selbstauch zu technischer Bedeutung nicht gebracht, so sind doch durchweitere Verfolgung des letzterwähnten, unter dem Namen „LAUTHScheReaktion" bekannten Bildungsvorgangs praktisch sehr hervorragendeErgebnisse erzielt worden, wie wir unten sehen werden.

1 B. 46, 2310 (1913); 47, 1494 (1914).

3 Vgl. die Zusammenfassung A. 414, 149 (1916).

3 Lauth, B. 9, 1035 (1876). — Koch, B. 12, 2069 (1879). — Bernthsbn, B. 17,615 (1884). A. 230, 74, 108 (1885). — Stebbins, Am. Soc. 6, 304 (1884). — Alt-hausse, Kküss, B. 22, 2066 (1889). — R. Meyer, Ph. Ch. 24, 507 (1897). — Fok-mänek, C. 1905,1, 752. — Hantzsch, B. 38, 2148, 2150 (1905). — L. Michaelis,Z. Ang. 19, 951 (1906). — Kehrmann, B. 39, 916, 921 (1916). — Eckert, Pummerer,Ph. Ch. 87, 613 (1914). — Kehrmann, Havas, Geandmoügin, B. 47, 1883, 1891 (1914).— Kehrmann, Ztbs, B. 52, 137ff. (1919).