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Inversion und Reversion.
häufiger aber werden mehrere isomere Hexosen neben einander ge-bildet, z. B. d-Glucose und d-Fructose aus Rohrzucker:
C J2 H 22 O u + II 2 0 = CgHuOe (Glucose) + C 6 H 12 0 6 (Pructose);complicirtere Polysaccharide können auch partiell hydrolysirt werden,indem einfachere Polysaccharide neben Monosacchariden entstehen, z. B.:
"iJ^Oio (Meletriose) + H 2 0 = CjjH !a O„ (Melebiose) + C 6 H I2 0 6 (d-Fructose).Man hat diesen Vorgang der hydrolytischen Spaltung von Polysaccha-riden zuerst und am eingehendsten beim Rohrzucker untersucht; indiesem Falle führt er von dem rechtsdrehenden Rohrzucker zu einemGemisch von gleichen Theilen der rechtsdrehenden cü-Glucose und derstärker linksdrehenden d-Fructose (vgl. S. 901), also zu einem links-drehenden Gemenge; wegen dieser Umkehrung des DrehungsVermögensbei dem wichtigsten Beispiel der hydrolytischen Spaltung bezeichnetman die Reaction häufig auch als „Inversion", das Reactionsproduktals „Invertzucker". Für die vollständige Inversion bedarf es nuräusserst geringer Säuremengen; so wird z. B. ein Gemisch von 80 Th.Rohrzucker und 20 Th. Wasser, das auf den Zucker berechnet nur0-005 °/o Chlorwasserstoff zugesetzt enthält, bei einstündiger Digestionin siedendem Wasser nahezu völlig invertirt; bei Gegenwart grössererSäuremengen werden die Spaltungsprodukte ihrerseits wieder verändert,indem sie zu complicirteren Kohlenhydraten (vgl. Dextrine) condensirtwerden 1 („Reversion").
Ueber die „Inversionsgeschwindigkeit" und ihre Abhängigkeit von derNatur der invertirenden Säure sind mehrere eingehende Untersuchungen 2 ausgeführtworden; der Vorgang der Zuckerinversion kann zur Bestimmung von Affinitäts-coefficienten (vgl. S. 358) benutzt werden.
Die Untersuchung der hydrolytischen Spaltung der Polysaccharideführt insofern zu einem Urtheil über ihre Constitution, als sie die ein-zelnen zuckerartigen Componenten kennen lehrt, welche zu einem grösserenMolecül vereinigt sind. Aus dem Umstand, dass die hydrolytische Spal-tung so äusserst leicht eintritt, kann man ferner den Schluss ziehen,dass bei der Wasserzufuhr nicht Kohlenstoffatome von einander gerissenwerden, dass mithin der Zusammenhalt der einzelnen Monosaccharid-molecüle lediglich durch Bindung mittelst der Sauerstoffatome bewirktwird, dass die Polysaccharide eben Anhydride der Monosaccharide sind.
Welche Sauerstoffatome aber sind es, die sich bei der Verkettungmehrerer Monosaccharidmolecüle betheiligen ?
Man kann zunächst, wenn man die grosse Zahl der Hydroxylgruppenin den Monosacchariden und die Zusammensetzung der Polysaccharide
1 Vgl. Wohl, Her. 23, 2084 (1890).• WlLHELMY, Pogg. 81, 413, 499 (1850).
Löwenthai. u. Lenssen, J. pr- 85 >321, 401 (1862). — Pleürv, Ann. eh. [6] 7,381(1876). — ÜEBOH, Her. 15, 2130 (1882);17, 2165 (1884). — Ostwald, d. pr. |2| 29, 385 (1884). — Spoiiii, J. pr. |2] 32, 32(1885). — Trevoe, Ztschr. f. physik. Chem. 10, 321 (1892).