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1 (1893) Allgemeiner Theil - Verbindungen der Fettreihe
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879
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Neuere Entwickelung unserer Kenntniss von der Zuckergiiippe. 879

Definition und den heutigen Anschauungen entsprechen, schon früher 1 mitziemlicher Bestimmtheit aufgestellt waren, so erhielten die heute gelten-den Structurformeln der wichtigsten natürlichen Zuckerarten doch ihredefinitive, experimentelle Begründung erst durch Kiliani's bedeutungs-volle Untersuchungen 2 aus den Jahren 18851887.

Seitdem reiht sich in . dem Gebiete der Zuckerarten in ununter-brochener Folge eine wunderbare Entdeckung an die andere; wir sindin diesen Jahren Zeugen von Erfolgen bei der Bearbeitung dieser Gruppegewesen, wie sie überraschender wohl noch niemals durch die Methodenund Theorieen der organischen Chemie erzielt sind. Diese mächtigeFörderung unserer Kenntnisse auf einem Gebiete, dessen Aufklärungschon lange den Forschern als eines der wichtigsten Probleme vor-schwebte und doch kaum nennenswerthe Fortschritte machte, verdankenwir Emil Fischeb 3 . Ihm gelang es. der experimentellen Schwierigkeiten,welche die Zuckerarten durch ihre leichte Zersetzlichkeit, die dadurchbedingte schwere Trennbarkeit von begleitenden Stoffen und andere Um-stände bieten, in so vollkommener Weise Herr zu werden, dass diesynthetische Gewinnung von Zuckerarten, die Ueberführung der bekanntenZucker in andere Vertreter derselben Körperklasse und damit die Auf-findung zahlreicher neuer Zuckerarten und die Klarlegung ihrer gegen-seitigen Beziehungen in rascher Folge als Früchte seiner planvollenUntersuchungen geerntet wurden. Im Jahre 1887 gelang zum erstenMal die Abscheidung einer einheitlichen, zur Zuckergruppe gehörigenSubstanz (Akrose, vgl. S. 902) auf synthetischem Wege, 1890 die Syn-these von natürlichen Zuckerarten. So sind auch in diesem Gebietedie Produkte der Lebensthätigkeit der Synthese zugänglich gemacht;und wie in jeder Körperklasse, so winde auch hier, sobald der ersteSchritt gelungen war. der Organismus in gewissem Sinne von derLaboratoriumswerkstatt überflügelt: denn durch mannigfache Variirungm den Bedingungen der künstlichen Processe lernte man eine bedeutendgrössere Zahl von Zuckerarten kennen, als solche in der Natur aufge-funden waren.

Unter der stattlichen Schaar der heute bekannten Zuckerarten giebtes eine grosse Zahl von Isomeriefällen, die lediglich auf der Verschieden-heit der räumlichen Atomanordnung beruhen; wir kennen z. B. zur Zeitnicht weniger als 13 verschiedene Zucker, denen sämmtlich die gleicheStructurformel:

CH,(OH) CH(OH) CH(OH) CH(OH) CH(Oll) CIIO

1 Fittig, Ueber die Constitution der sogenannten Kohlenhydrate (Tübingen,1871). Zincke, Ber. 13, 641 Anm. (1880). Ann. 216, 318 ff. (1888).

2 Ber. 18, 3066 (1885); 19, 221, 767, 1128, 1914, 3029 (1886); 20, 339, 1233 (1887).

3 Eine zusammenfassende Schilderung der Forschungsergebnisse in der Zucker-gruppe bis zum Jahre 1890 vgl. in E. Fischer's VortragSynthesen in der Zucker-gruppe" : Bor. 23, 2114 (18901.

r.