Isocrotonsäure (a-ß-Dichlor- bexw. ce-ß-Dibrombuttersäuren). 727
siedet und durch Wasser leicht verflüssigt wird; durch Einwirkung von kaltemAlkali auf die durch Krystallisation gereinigte Säure erhält man ein Gemisch vonea. 16°/ 0 «-Chlorcrotonsäure und 84°/ 0 «-Chlorisocrotonsäure, durch Einwirkung vonkaltem Alkali auf das rohe Chloradditionsprodukt der Crotonsäure ein Gemisch vonetwa 26°/ 0 «-Chlorcrotonsäuro und 74 °/ 0 «-Chlorisocrotonsäure. — Isocrotonsäure, inChloroform- oder Tetrachlorkohlenstofflösung mit Chlor im Sonnenlicht behandelt,liefert ein Additionsprodukt, das zum grossen Theil aus derselben «-(3-Dichlorbutter-säure besteht. Dagegen erhält man eine stereoisomere «-^-Dichlorbuttersäuredsocrotonsäuredichlorür) durch Erhitzen von re-Chlorcrotonsäure mit Salzsäure:
CH S -CH:CC1-C0 2 H -t-HCl = CH 8 .CHC1-CHC1-C0,H ;
sie krystallisirt in Prismen, schmilzt bei 78°, siedet unter 20 mm Druck bei 131-5°und giebt durch Zersetzung mit Alkalien fast ausschliesslich ct-Chlorcrotonsäure.
Bei der Addition von Brom zu fester Crotonsäure in Tetrachlorkohlenstofflösungoder Schwefelkohlenstotflösung erhält man «-.-/-Dibrombuttersäure (Croton-säuredibromür) vom Schmelzpunkt 89°, die, mit Alkalien zersetzt, neben geringen"engen von «-Bromcrotonsäure mehr als 90°/ 0 ot-Bromisocrotonsäure liefert. Bei derAddition von Brom zu Isocrotonsäure im Sonnenlicht erhält man fast ausschliesslichdas gleiche Additionsprodukt wie aus fester Crotonsäure (vgl. S. 728—729 die Versuchem it Angclicasäure und Tiglinsäurc); führt man aber die Addition im Dunkeln aus,so entsteht ein Produkt, aus welchem eine andere krystallisirbare, zerfliessliche Di-bi'ombuttersäure vom Schmelzpunkt 57 • 5° isolirt werden kann; dieses Isocrotonsäure-u, bromür (von J. Ad. Wislicenus als Molecularverbindung von Crotonsäuredibromürund eigentlichem Isocrotonsäuredibromür angeschen) liefert nun bei der Zersetzungmi t Alkalien Bromerotonsäure und Bromisocrotonsäure zu etwa gleichen Theilen.
Es erhellt aus diesen Beobachtungen, dass die S. 724—726 gezogenen Folgerungen•wir theilweise mit dem experimentellen Befund übereinstimmen. Die Consequenzen dertheorie werden bestätigt, so weit die Anzahl der Isomeren in Betracht kommt;dagegen werden sie hier, wie in vielen anderen Fällen, zum Theil nicht bestätigt, wennwir das Verhalten der Raumisomeren bei chemischen Reactionen verfolgen.^er auf Grund der Theorie für die eine Säure erwartete Process tritt fast niemalsausschliesslich ein, sondern wird meist von dem für die isomere Säure erwarteten1 rocess begleitet, ja in einigen Fällen von dem letzteren überwuchert. Nun mögenzwar im vorliegenden Falle die abweichenden Versuchsergebnisse bis zu einem ge-wissen Grade auf die Nichteinheitlichkeit der „Isocrotonsäure" zurückzuführen sein;allein diese Erklärung ist auf analoge Fälle — vgl. Maleinsäure bezw. Dichlor-'»ernsteinsäure S. 736, Citraconsäure bezw. Citradichlorbrenzweinsäure S. 739 —, in'''"eii ebenfalls die. Versuche nicht präcise mit jenen Polgerungen der Theorieübereinstimmen, doch wohl kaum anwendbar. Derartige Erfahrungen brauchenmdess keineswegs so aufgefasst zu werden, als ob sie den Werth unserer An-8c hauungen über die räumliche Q-ruppirung der Atome herabzusetzen 1 geeignetWären. Man könnte im Gregentheil die mangelhafte ITcbcreinstimmung solcherFolgerungen, wie sie auf S. 724 — 726 gezogen wurden, mit den Versuchsresultatenvoraussagen. Wir erblicken ja gerade einen charakteristischen Unterschied z\vi-Sl '"en Raumisomerie und Structurisomerie in dem Umstand, dass Raumisomeredurch allerlei Einflüsse — Wanne, Gegenwart gewisser fremder Stoffe etc. —leicht und glatt in einander übergehen, während bei Structurisomeren eine glatteUmwandlung in einander nur selten herbeigeführt werden kann. Eine Veränderung•Ji der gegenseitigen Lage der an einem und demselben Kohlenstoifatom be-hndhehen Atome oder Radicale kann offenbar durch Ursachen TOD bedeutend gc-
' Michael, .1. pr. [21 46, 400, 424 (1892).