Uebersicht über die schwefelhaltigen Verbindungstypen.
211
Viertes Kapitel.
Alkylverbindungen, deren Alkylrest an Schwefel (Selen oder
Tellur) gebunden ist.
(Mercaptane, Sulfide, Sulfinverbindungen, Di- und Polysulfide, Sulfoxyde und Sulfone,Sulfosäuren und Thiosulfosäuren, Thioschwefelsäurcn, Sulfinsäuren.)
Uebersicht über die schwefelhaltigen Verbindungstypen:Werden im Schwefelwasserstoff nach einander die beiden Wasserstoff-atome durch Alkylreste vertreten, so entstehen die Verbindungsformen:
CnH 2n + i
^n''2n + l
und
^n™2n + l
Die Verbindungen der ersteren Form können als Alkylsulfhydrate,
diejenigen der letzteren Form als Alkylsulfide bezeichnet werden,
entsprechend den anorganischen Schwefelwasserstoff-Abkömmlingen NaSH,
■^atriumsulfhydrat, und Na 2 S, Natriumsulfid. Man erkennt in ihnen sofort
•he schwefelhaltigen Analoga der Alkohole und Aether; Alkylsulfhydrate
sind Thioalkohole, Alkylsulfide sind Thioäther; die Sulfhydrate werden
gewöhnlicher Mercaptane genannt (Begründung dieses Namens s. S. 214).
Entspricht nun auch die Constitution der Mercaptane und Sulfide
^'llkommen derjenigen der Alkohole und Aether, und ist daher das
erhalten der beiden Körperklassen in vielen Stücken ein gleichartiges,
*° sind doch andererseits die schwefelhaltigen Verbindungen zu manchen
»Wandlungen fähig, welche an ihren sauerstoffhaltigen Constitutions-
pnalogen nicht ausgeführt werden können. Diese Verschiedenheit ist
•edingt durch die Neigung der Schwefelatome, sich mit einander zu ver-
etten, und durch ihre Fähigkeit, eine höhere Valenz anzunehmen. Beide
mstande ermöglichen die Existenz von eigenartigen schwefelhaltigen
erbindungsklassen, welche im Folgenden einer kurzen Uebersicht unter-
z °gen werden sollen.
Wenn Alkohole oder Aether Oxydationswirkungen ausgesetzt werden,
So erstreckt sich die Oxydation sofort auf den Alkylrest; die Oxydations-
P rf >dukte — Aldehyde, Ketone, Carbonsäuren — enthalten nicht mehr
enselben Alkylrest, welcher in der Ausgangssubstanz mit Sauerstoff in
erbindung stand. Die entsprechenden Schwefelverbindungen dagegen
0IU 'en infolge der erwähnten Umstände in eine Keihe von Oxydations-
s ufen übergehen, welche den Alkylrest noch ganz unverändert enthalten;
W Wirkung des Oxydationsmittels richtet sich bei ihnen zunächst
diglich auf das Schwefelatom bezw. das damit verbundene Wasserstoff-
' ()m - So entstehen durch gelinde Oxydation der Mercaptane die sehr
^ständigen Disulfide:
Vn^sn+i'" *'*n"2n + i)
H"