Ammoniaksodaverfabren.
345
So einfach diese Operation zu sein scheint, bietet sie doch, da mandas entweichende Kohlendioxyd und das Ammoniak aus dem anhaften-den, nicht ganz umgesetzten Ammoniumbicarbonat wieder in den Betriebeinführen muss, gewisse technische Schwierigkeiten. Aus dem gelöstenChlorammonium wird die Hauptmenge des Ammoniaks durch Kochenmit Kalkmilch regenerirt. Hiernach bleibt schliesslich nur Chlorcalcium-losung übrig, welche vorläufig keinen besonderen Werth hat; es ist eineHauptfrage für den allseitigen Erfolg des Ammoniak-Sodaprocesses, ausdiesem Chlorcalcium auf wohlfeile Art Salzsäure und Chlor (vgl. S. 136)herzustellen. Bisher ist diese Aufgabe jedoch an dem hierzu erforderlichenallzu grossen Kohlenverbrauch gescheitert.
Bis zum Ende der 70er Jahre wurde die Soda (einschliesslich Aetz-natron und Bicarbonat) fast ausschliesslich nach dem Leblanc-Verfahrendargestellt. Um die Mitte der 80er Jahre war die Production fast gleich-massig auf die beiden concurrirenden Systeme vertheilt. Im Jahre 1890überstieg die Sodaproduction der "Welt bereits 1 Mill. Tonnen und 1894Wurden 12 Proe. aller Soda nach dem Ammoniakverfahren gewonnen.Zar Zeit hat das Leblanc-Verfahrcn. wegen der grossen darin angelegtenCapitalien, seinen Hauptsitz noch in England.
III. Allem Anscheine nach werden sich Alkalien und Chlor oderChlorpräparate mit der Zeit auch in einem einzigen Processe in vor-teilhafter Weise herstellen lassen. Bei der Elektrolyse von ge-schmolzenem Chlornatrium erhält man Chlor und Natrium, und ganzebenso bei derjenigen einer wässrigen Chlornatriumlösung an der Anodedas Chlor, an der Kathode das Natrium, welches letztere dann aber mitdem Lösungswasser Natronhydrat und Wasserstoff gibt. Um die Zer-s etzungsproducte jedes für sich und ohne verunreinigende secundäro Ein- 'Wirkung auf einander zu erhalten, trennt man die beiden Elektroden(die aus dichter Retortenkohle oder anderen widerstandsfähigen Materialienhergestellt werden) durch eine poröse Scheidewand (Diaphragma), wofürman hart gebrannte Thonmasse, Asbest und ähnliches empfohlen hat.-Das Chlor wird entweder verflüssigt in den Handel gebracht oder findetsofortige Verwendung zur Chlorkalkfabrication; das Natronhydrat ge-winnt man theils als solches durch Concentration unter Abscheidungdes Kochsalzes, theils fällt man es durch Zuleiten von Kohlendioxyd*us Natriumbicarbonat aus. Chlor und der freigewordene Wasserstofflassen sich ferner zu Salzsäure verbinden. Obwohl die technischenSchwierigkeiten der Methode (die namentlich auch für Chlorkalium-lüsungen — s. Kalihydrat, benutzt wird) neuerdings fast vollständigÜberwunden sind, ist die Stellung des neuen Concurrenzverfahrens zuden beiden älteren Sodaprocessen vorläufig, noch unentschieden.
Neben diesen Methoden gibt es zahlreiche andere, mit deren Kilfesi ch Soda gewinnen lässt. Der Kryolith, A1FI, .3 NaFl, gibt durchGlühen mit Kalk unlösliches CaFl, und lösliche Natriumaluminatewie A1 2 0 3 .3 Na 2 0, aus denen man durch Einleiten von C0 2 Soda undThonerde gewinnt; ein Verfahren, das in Nordamerika benutzt wird.
Dem grossartigen Aufschwung der Soda-Industrie verdankt manbilliges Glas und billige Seife, also Licht und Sauberkeit. —