•I —
Vorhaben ausführen kann. Nichtsdestoweniger hat maneinige äussere Behelfe zur Feststellung des wirklichenSachverhaltes. Hat man die i. Art des Harnträufeinsvor sich und trocknet man die Harnmündung ab, sowird diese sofort wieder feucht; ein Spiegelfechter kanndieses Feuchtwerden, da er den Flarn nicht tropfenweiseentleeren kann, nicht nachahmen. Die Kathcterisirungfindet, wenn die Krankheit vorhanden ist, die Blase leer.Auch die für den Spiegelfechter unangenehme Durch-tränkung der Wäsche ist als ein Wahrscheinlichkeitsbe-weis gegen Vortäuschung angesehen worden. Diese An-sicht ist nicht unbedingt zu theilen. Ich habe einenSoldaten gekannt, der viele Monate lang Harnträufeln vor-spiegelte, und es über sich gewann, nicht nur die An-wendung aller gebräuchlichen Entlarvungsmittel zu ertragen,sondern auch im strengen Winter, beim Exerziren imFreien, Hemd und Unterhosen wiederholt gänzlich zudurchnässen und sich Hautentzündungen zuzuziehen.
Der Spiegelfechter ist im Ganzen und Grossen so zubehandeln, als wäre die angebliche Krankheit wirklichvorhanden. Er erhält ein einfacheres Bett mit Deckenund Strohsack und wird bis dreimal täglich katheterisirt,oder mit einem elastischen Dauer - Katheter versehen.Ferner empfiehlt die Erfahrung kalte Sitzbäder, Elektricität,Auswaschen der Blase mit kaltem und mit warmem Wasser,Morphium, Tollkirsche, Brechnussextract etc. Ohne Nothlässt man die Tagesarbeit nicht aufhören, sondern ver-sieht die Person mit einem Harnrecipienten. Nicht seltenendlich bewährt sich das Fallot'sche Verfahren, wobeider Bettnässer Nachts stündlich oder in noch kürzerenPausen zum Zwecke des Plarnens geweckt wird. DiesesVerfahren ermüdet und erweicht schliesslich den Betrüger,während es dem wirklich Kranken bei alhnäliger Ver-grösserung der Pausen Besserung oder Heilung bringenkann.