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Kommentar zum Arzneibuch für das Deutsche Reich : mit Zugrundelegung des amtlichen Textes, sowie einer Anleitung zur Massanalyse ; im Anschluss an den Schlickumschen Kommentar
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Diagnostikum erwiesen und es ist bei den in Dänemark und Frankreichim grossen vorgenommenen Tierimpfungen die traurige Thatsache ermitteltworden, dass di<' grösseren Viehbestünde vollständig verseucht sind. 2 /. ;dieser Bestünde wiesen über 50 Proz., ty 3 über 75 Proz tuberkulöse Tiere:\n1'. Die Erkenntnis der hierin liegenden immensen Gefahr für die Mensch-heit wird leider von manchen Ärzten sehr wenig beachtet. Es hat denAnschein, als sollte es noch lange dauern, ehe diese schon längst bekannteThatsache allgemein anerkannt und die Abneigung gegen mich wissen-schaftlichen Grundsätzen hergestellte Ersatzmittel für Muttermilchaufgegeben wird. Sterilisierte Milch enthält zwar nicht mehr die lebendenKrankheitserreger, wahrscheinlich aber noch die Toxine derselben. AlsHeilmittel hat sich, wie angedeutet, das Tuberkulin nicht bewährt,weswegen von verschiedenen Seiten erneute Versuche zur Herstellungeines Spezifikums gegen Tuberkulose angestellt worden sind. Als diewichtigsten derselben sind zu nennen:

1. Tuberkulin TB. Dasselbe wird durch Eintrocknen LebenderKulturen, Zerreiben (Abtöten) des Trockenrückstandes, Lösen des erhaltenenPulvers in Wasser und Centrifugieren der Flüssigkeit wobei si h eineetwa dem offizineilen Tuberkulin entsprechende helle Losung TO mit ge-ringen immunisierenden Eigenschaften und ein schlammiger, aus zerriebe-nen Bakterien bestehender Bodensatz, das TR, bilde). Letzteres soll nachKoch immunisierend wirken, was aber von anderen Seiten bestritten wird.

2. Tuberkulo p la smin. Zur Darstellung der,, Plasmine'' werden dievon der Nährlösung abfiltrierten, noch feuchten, lebenden Pilze oderBakterien mit Infusorienerde gemischt und in hydraulischen Tressen durchl 500 Atmosphärendruck ausgepresst. Solche Presssäfte zeigen oft diecharakteristischen Eigenschaften der betreffenden Zellen. Impft man nunden Organismus mit weniger als der kritischen Dosis der Piasmine, so wirdzunächst, ohne dass die eigentlichen Krankheitserreger zugegen sind, eineleicht verlaufende Krankheit erzeugt, welche zur Bildung von AI ex inbezw. Antitoxin führt und dadurch den Organismus gegen die be-treffenden Bakterien selbst bis zu einem gewissen Grade immunisiert. DasSerum solcher Tiere vermag lebende Bakterien zu zerstören (agglutinierendDie Versuche mit dem Tuberkuloplasmin sind noch nicht abgeschlossen.

3. Tuberkul in säure , eine Nukleinsäure der Tuberkelbazillen, istvon Ruppel isoliert worden. Dieselbe ist von ähnlicher Wirkung wieTuberkulin, hat aber den grossen Vorzug, genau dosiert werden zu können.

Sämtliche bisher genannten Präparate enthalten also spezifischeTuberkelgifte, welche in kleinen, ziemlieh unschädlichen, genau be-grenzten Dosen dem Körper eingeführt, diesen zur Antitoxinbildung be-wegen sollen, damit er etwa eindringende Tuberkelbazillen möglichstschnell unschädlich machen kann. Der Körper wird demnach bei denTuberkulinimpfungen zunächst vergiftet; es liegt mithin eine wesentlichandere Behandlungsmethode vor als beim Diphtherieserum, denn bei letztcremwird die Vergiftung und darauf folgende Antitoxinbildung, bei einemanderen Individuum, beim Pferde, vorgenommen und ans dessen Serumdas gewonnene, heilkräftige, absolut giftfreie Antitoxin gewonnen und alssolches dem Menschen einverleibt. Der Mensch wird mithin bei Diphtherienur mit dem Gegengift geimpft. Ob es möglieh sein wird, denselbenWeg mit denselben hervorragenden Erfolgen bei der Tuberkulose ein-zusehlagen, ist z. Z. noch nicht entschieden. Immerhin mag erwähntwerden, dass ein Tuberkulo-Antitoxin, also ein dem Diphtherieserum analogerKörper, von Behring bereits aufgefunden ist.

Nach obigen Ausführungen ist es ersichtlich, dass schwer erkrankte