Mexicanisches Linaloeöl.
Finger auspressen konnte, und daß Bäume, denen zufällig durchWind Äste abgebrochen waren, viel Öl bildeten und nach Jahrenverändert waren. Man nimmt diesen „Schnitt", der also ölartnein ölreiche Bäume umzuwandeln vermag, im April und Septembervor. Der Aprilschnitt ist nicht so wirkungsvoll wie der September-schnitt, da die einzeln vorkommenden Bäume in beiden Fällenerst im Januar „reif" sind, d. h. in Saft schießen. Im Oktober-November verlieren die Bäume ihre Blätter.
Die Destillation des Holzes, zu der nur der Stamm ver-wendet wird, wird (hauptsächlich von Dezember bis Juni) inprimitivster Weise ausgeführt. Die kleineren Destillateure sindzum Teil noch völlig wilde Indianer, die nicht spanisch sprechenkönnen; wirkliche Fabriken existieren noch nicht, woran wohldie schwierigen Lebensverhältnisse in den Linaloedistrikten schuldsind, wo es von Ungeziefer wimmelt und wo unter den Indianernansteckende Hautkrankheiten (Lepra usw.) herrschen. Die Aus-beute an Öl, die in Mexico aus dem Holz erzielt wird, beträgthöchstens 2,5 °/o. Die Produktion von Puebla soll etwa 4000bis 5000 kg jährlich ergeben; die Verpackung des Öls geschiehtin Petroleumkanistern ä 16 bis 17 kg Inhalt, von denen je zweiin eine Kiste gestellt werden.
Ein Vertreter der Firma Schimmel 8f Co. hatte Gelegenheit,eine Destillationsanlage zu besichtigen, die Lino Castillo, inChiautla (Puebla) gehört, einem größeren Dorfe, das von Pueblain 11 Stunden zu erreichen ist. Während Puebla 2100 m überdem Meere gelegen ist, liegt Chiautla etwa nur 300 m hoch ineiner sehr gebirgigen, schwer zugänglichen Gegend mit stellen-weise spärlicher Vegetation.
Die zum Betrieb mit direktem Feuer eingerichtete Destillier-blase ist, wie sämtliche andern Teile des Apparates, mit Aus-nahme des kupfernen Helmkegels, aus galvanisiertem Eisenblechgearbeitet und hat eine Höhe von etwa 1,5 m und einen Durch-messer von 1,15 m. Am untern Teil der Blase ist ein durcheinen mit Pisangblättern umwickelten Holzkeil verschlosseneseisernes Rohr angebracht, durch das nach beendeter Destillationdas Wasser abgelassen werden kann. Der abnehmbare Helm,der bereits mit einer Kühlvorrichtung versehen ist, steht durchzwei Rohre mit dem eigentlichen Kühlfaß in Verbindung; alsVorlagen dienen Eimer oder Petroleumkanister.
Gildemeister, Die ätherischen Öle. III. 9
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