Druckschrift 
2 (1896) Organische Chemie
Entstehung
Seite
1213
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Theegerbsäure, Moringerbsäure, Thee.

1213

der Bildung von wenig charakterisirten, als Viridinsäure, Caffeeansäureoder Coerulinsäure bezeiclineten Verbindungen. Beim Erhitzen mit Braun-stein und Schwefelsäure liefert die Caffeegerbsäure Chinon (s. S. 942) undAmeisensäure. Beim Kochen mit Kalilauge wird sie in Caffeesäure (s. S. 1028)und Traubenzucker, bezüglich dessen Zersetzungsproducte, verwandelt. BeimSchmelzen mit Kalihydrat wird Protocatechusäure gebildet.

Theegerbsäure. Die in dem chinesischen Thee neben Quercetin:C 15 H 10 O 7 , und Gallussäure (B oben säure) vorhandene Gerbsäure ist mit derGallusgerbsäure (Digallussäure) identisch.

Zur Bestimmung der Gerbsäure in den Theeblättern extrahirt man nachEder 2g einer guten Durchschnittsprobe wenigstens dreimal mit je lOOccmWasser Va bis eme Stunde lang im Wasserbad, erhitzt alsdann die genannten,filtrirten Auszüge bis nahe zum Sieden, wobei sich der etwa gebildete Nieder-schlag von gerbsaurem Coffein wieder löst, und fügt hierauf 25 bis 30 ccmeiner Lösung von Kupferacetat (1 :20) zu. Der sofort entstehende flockige,braune Niederschlag von gerbsaurem Kupferoxyd ist sodann auf einem Filterzu sammeln, mit heissem Wasser gut auszuwaschen, zu trocknen und in einemPorcellantiegel zu glühen. Nach dem Erkalten werde der Tiegelinhalt mitSalpetersäure befeuchtet, abermals geglüht und nach dem Erkalten imExsiccator als Kupferoxyd: Cu 0, gewogen. Anstatt den geglühten Kupfer-niederschlag mit Salpetersäure in Kupferoxyd überzuführen, kann man den-selben auch durch Glühen im Wasserstoffstrom in metallisches Kupfer über-führen und letzteres nach dem Erkalten im Wasserstoffstrom zur Wägungbringen, lg Kupferoxyd = 0,798g Kupfer entsprechen 1,3061g Gerbstoff*).

Die Bestimmung des Gerbstoffs im Thee kann auch, unter Anwendungvon 10 g, nach der maassanalytischen Methode von Löwenthal-von Schroe-der oder nach der gewichtsanalytischen Methode von von Schroeder (sieheS. 1209 u. f.) zur Ausführung gelangen.

Moringerbsäure: C 13 H 10 O 6 -f- H 2 0 (Hlasiwetz), C 15 H 12 0 8 (Löwe),Maclurin, findet sich, begleitet von Morin (siehe dort), im Gelbholz, demStammholz der in Westindien heimischen Mortis iinctoria s. Maclura tinctoria.Der kochend bereitete wässerige Auszug des Gelbholzes scheidet beim Abkühlenzunächst das schwer lösliche Morin ab, während das leicht lösliche Maclurinaufgelöst bleibt. Letzteres wird durch Eindampfen der von dem Morin ge-trennten Flüssigkeit, Versetzen derselben mit Salzsäure und TJmkrystallisiren dessich abscheidenden gelben Niederschlags aus Salzsäure enthaltendem Wasser

*) Der Durehschnittsgehalt an Gerbstoff etc. beträgt im guten schwarzen (a) undgrünen Thee (b):

Wasser Coffein Gerbstoff Extract Asche

a) 10 bis 12 1,3 bis 3,5 10,0 38,7 5,6

b) 10 12 1,3 3,5 12,4 41,3 5,7

Die Bestimmung des Wassergehalts geschieht durch Trocknen bei 100°, die des Extractgehaltsdurch öfteres Aufbrühen (bis zur Farblosigkeit der Auszüge) von 5 g Thee mit kochendemWasser, Filtriren der heissen Auszüge nach je y 2 stündigem Stehen, Eindampfen in einemgewogenen Schälchen und Wägen nach dem Trocknen bei 100° C. Derselbe soll imMinimum 30 Proc. betragen. Bei zahlreichen Extractbestimmungen, die Verfasser vonguten Handelssorten in obiger Weisse ausführen Hess, wurden jedoch, mit Ausnahmevon einigen Originalproben, nur 25 bis 28 Proc. Extract gefunden. Die Extract-bestimmung kann auch indirect ausgeführt werden, indem man die extrahirten Blätterwieder bei 100° C. trocknet und die Differenz im Gewicht, nach Abzug des ent-