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2 (1896) Organische Chemie
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Gerbstoffe.

1. Wassergehaltsbest immung. 10 g sehr f e i n e Lederschnitzelsind bei 100° C. Ms zum constanten Gewicht zu trocknen. Sohlenleder enthält16,5 bis 18 Proc. Wasser. 2. Aschenbestimmung. Aus 5 g Lederschnitzel,unter schliesslicher Anwendung von etwas Ammoniurnnitrat, ausführbar. DerAschengehalt solcher Leder, die aus gut gereinigter Blosse hervorgingen, über-steigt nieist 1 Proc. nicht wesentlich. Wird der Aschengehalt sehr hoch ge-funden (7 bis 10 Proc), so dass der Verdacht einer Beschwerung vorliegt, soist die Asche einer weiteren qualitativen Prüfung zu unterwerfen und sinddann die ermittelten Beimischungen, wie Baryum-, Aluminium - oder Calcium-chlorid, im Leder selbst quantitativ zu bestimmen. 3. WasserlöslicheSubstanzen. Aus 10g Lederschnitzel durch wiederholtes Auslaugen mitwarmem Wasser, Eindampfen der Auszüge und Trocknen des Rückstands bei100° C. zu ermitteln. Nach Kohnstein liefert reines Fichtensohlenleder7,93 Proc. wasserlösliche Substanz, wovon 6,89 Proc. organischer, 1,04 Proc.anorganischer Natur (Asche) sind, reines Eichensohlenleder 5 Proc. wasser-lösliche Substanz, wovon 3,96 Proc. organischer, 1,04 Proc. anorganischer Natur(Asche) sind. Von diesen wasserlöslichen Substanzen sind etwa 1,1 Proc. alsStoffe (als Traubenzucker berechnet) vorhanden, die Fehling' sehe Kupfer-lösung reduciren. Leder, welches mit Traubenzuckerlösung imprägnirt ist,würde höhere Werthe ergeben. 4. Genügende Gerbung. Ein 1mm dickerLederschnitzel wird in Eisessig eingesenkt. Gutes Leder zeigt nach Eitnernach längerem, selbst monatelangem Stehen, ausser einem Dunkelwerden derganzen Masse, nicht die mindeste Veränderung im Schnitt. Mangelhaft ge-gerbtes Leder zunächst ein Dunkelwerden der ungaren Theile, fernerquellen die Leimsubstanzfasern auf und verwandeln sich allmälig in eine ge-latinöse Masse, in der nur einzelne gröbere Fasern erkennbar sind. LetztereErscheinung tritt um so rascher und um so vollständiger auf, je schlechter dasLeder ist. 5. Widerstandsfähigkeit gegen Wasser. Man bestimmt dieGewichtszunahme, die ein Stück Leder (20 bis 30 g) durch 24 stündiges Liegenin Wasser erfährt, unter entsprechender Behandlung eines notorisch gutenLeders der gleichen Qualität. 6. In vielen Fällen ist auch eine m i k r o -skopische Prüfung des Leders, bisweilen auch eine Bestimmung desFettgehalts durch Extraction mit Aether oder Petroleumäther (im Soxh-1 et'sehen Extractionsapparat, siehe Milch) für die Beurtheilung von Werth.Ungefettetes lohgares Leder enthält nur etwa 1 Proc. Fett.

Die Art des zur Lederbereitung angewendeten Gerbstoffe ist bei demfertigen Leder für den Nichtfachchemiker schwer zu constatiren.

Die zur Lederbildung geeigneten Gerbstoffe, welche das Gerbmaterial derLohgerber bilden, werden zuweilen auch als physiologische Gerbsäurenbezeichnet, während die zum Gerben nicht geeigneten, aber als Arzneisubstanzverwendbaren Gerbstoffe (z. B. Gallusgerbsäure, s. S. 1013), trotzdem sie häufignicht pathologischen Ursprungs sind, pathalogische Gerbsäuren ge-nannt werden. Die physiologischen Gerbsäuren geben bei der Gährung undbei der Einwirkung von verdünnten Säuren keine Gallussäure und bei dertrockenen Destillation kein Pyrogallol, wie solches bei dem Hauptvertreter dersogenannten pathologischen Gerbsäuren, der Gallusgerbsäure, der Fall ist(siehe dort).

Die physiologischen Gerbstoffe liefern bei der trockenen Destillation meistBrenzcatechin; ihre wässerige Lösung wird durch Eisenchlorid grün gefärbt:eisengrünende Gerbstoffe —. Die sogenannten pathologischen Gerbstoffeliefern bei der trockenen Destillation meist Pyrogallol; ihre wässerige Lösungwird durch Eisenchlorid blauviolett gefärt: eisenbläuende Gerbstoffe —.